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1) Der Nitrobenzol - Ilaiiin.
Die Trennung der im Handel vorkommenden Benzole in die Kohlen Wasser
stoffe Benzol, Toluol und Xylol geschieht in grossen eisernen Apparaten mit
kupferner Colonne, wie sie zur Rectification von Spiritus angewendet werden.
Sämmtliche Bewegungen dieser leichtflüchtigen Körper geschehen unter sorgfälti
gem Luftabschluss, und hat das Benzol und seine Dämpfe niemals Anlass zur
Erkrankung von Arbeitern gegeben.
Der grossen Feuersgefahr halber ist in der Benzol-Keclifikation- und dem
Xitro-Raum Beleuchtung durch elektrische Lampen eingeführt.
Die Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol und Xylol werden in geschlossenen,
gusseisernen Rührapparaten durch Einfliessen einer Mischung von concentrirter
Salpetersäure und Schwefelsäure nitrirt, die Nitroverbindungen werden von der
verdünnten Schwefelsäure durch Absitzen getrennt und mehrmals mit Wasser
gewaschen. Die nicht nitrirten Kohlenwasserstoffe entfernt man durch Abtreiben
mit directem Dampf. Die so gereinigten N i tro prod ucte: Nitrobenzol. Nitrotoluol,
oder Nitroxylol sind zur weiteren Verarbeitung fertig.
Es sind gelb gefärbte Flüssigkeiten von bittermändel - ähnlichem Geruch
und süssem Geschmack, schwerer wie Wasser und darin unlöslich und destilliren
bei 205—24O0C.
Nitrobenzol.
Die Aufnahme des Nitrobenzols in den Körper kann sowohl in flüssiger^
Form per os, als in Dampfform durch Resorption vermittelst der Schleimhäute
stattfinden. Ob, wie Olli vier und Bergeron behaupten, flüssiges Nitrobenzol
in’s Blut Übertritt, ist eine Frage, die nach den neueren Untersuchungen verneint
werden muss; viel wahrscheinlicher ist es, dass auch vom Magen aus das Gift in
Dampfform seine Wirkung entfaltet. Wenigstens ist bis jetzt von Niemand
Nitrobenzol in den Ausscheidungen mit Sicherheit nachgewiesen worden; dagegen
hat Eulenberg die von Letheby aufgestellte, vielfach negirte Behauptung,
Nitrobenzol werde innerhalb des Organismus in Anilin umgewandelt, bestätigt
und bei einem Thierexperimont von längerer Dauer im Urin, in der Leber und
in der Lunge Anilin nachgewiesen.
Ueber die Wirkung des Nitrobenzols liegen viele Thierversuche und 44 kli
nische Beobachtungen vor.
Charakteristisch nach beiden Richtungen ist das oft sehr späte Auftreten
der Intoxicationserscheinungen : G — 24 Stunden nach der Aufnahme des Giftes.
Diese Thatsacho steht in Einklang mit einem Versuche von Bergmann, wel
cher nach Einverleibung des Giftes per os noch 3 Tage später Tropfen von
Nitrobenzol in dem Magen des damit vergifteten Hundes fand. Eine viel schnellere
Wirkung entfalten die Dämpfe, sowie bei Einverleibung per os das Vorhandensein
oder die Zufuhr von Alkohol in den Magen.
Die Symptome, welche bei den Tliiorversuchen auftraten, bestanden in
starkem Speicheln, Thränen der Augen. Dyspnoe. Taumel. Schlalsucht ohne
Anästhesie, Zuckungen einzelner Muskeln, sowmo allgemeinen tonischen und klo
nischen Convulsionen. Der Tod trat jedoch auch oft unter dem Bilde einer allge
meinen Uaralyse ohne Convulsionen auf.
Die Section en ergaben übereinstimmend einen sehr starken Geruch aller
Organe nach Bittermandelöl, welcher immer sehr lange, in einem Falle (Casper)