Full text: Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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14 Tage, anhielt. Die Leichenstarre ist stark, die Muskeln behalten lange ihr 
frisches Aussehen, das Blut ist dunkel, das Herz ist blutreich, die Gehirnhäute, 
Plexus und Sinus sind stark mit Blut gefüllt; an den Lungen zeigen sich in 
vielen Fällen als Symptom der Suffocation subpleurale Ecchymosen; in dem 
Magen fand man oft ölige Tropfen von Nitrobenzol. Anilin wurde nie in dem 
Blute, von Bergeron und Ollivier jedoch angeblich in der Leber und der Milz 
gefunden. Versuche von Ewald ergaben bei tödtlichen Gaben von Nitrobenzol 
2—3 pCt Zucker in dem Urin. 
Bei den klinischen Fällen muss man schwere und leichte unterscheiden; 
alle bis jetzt beobachteten Fälle verdanken ihre Entstehung einer acuten Intoxica 
tion, ohne dass man deshalb jedoch die Möglichkeit weder einer kumulativen 
Wirkung dieses Giftes, noch die einer chronischen Nitrobenzolvergiftung von der 
Hand weisen darf. 
In den leichten Fällen klagen die Kranken über allgemeines Unbehagen, 
Brennen in dem Munde, Prickeln auf der Zunge, Ueblichkeit und Schwindel 
gefühl. Dabei besteht eine leichte Cyanose der Lippen und des Gesichtes. 
Die schweren Fälle zeigen ausser diesen Symptomen : Depressionser- 
soheinungen, als Coma, Schläfrigkeit, Angst, perverse Empfindungen in 
verschiedenen Organen als Ameisenkriechen unter der Kopfhaut, Ohrensausen, Kopf 
schmerz, Coordinationsstörungen als taumelnder Gang, lallende Sprache, 
Reflexkrämpfe und Convulsionen (Trismus, Opisthotonus, tetanische 
Krämpfe und allgemeine Convulsionen); erweiterte Pupillen; bisweilen Rotations- 
krumpfe des Augapfels und hierdurch Bewegung des Bulbus von rechts nach links; 
keuchende, irreguläre Respiration ; anfangs vermehrte, später verminderte Herz 
action; livide Färbung der Haut, beginnend im Gesichte und oft persistirend nach 
Ablauf aller übrigen Symptome; starker specifischer Geruch des Athems und der 
erbrochenen Massen nach bittern Mandeln. Spontanes Erbrechen ist jedoch im 
Allgemeinen selten. Die Temperaturangaben sind mangelhaft und nicht überein 
stimmend. A priori darf man jedoch für die schweren Fälle eine Erniedrigung 
der Temperatur eher als eine Erhöhung annehmen. 
Der Verlauf ist verschieden. In einzelnen Fällen traten Intermissionen 
ein, auf welche unter Exacerbation der Erscheinungen der Tod folgte; in vielen 
Fällen steigerten sich die Intoxicationserscheinungen bis zu einem vollständig 
comatösen Zustande, in welchem entweder der Tod erfolgte, oder aus welchem 
die Kranken mit einem auffallendem Nachlasse aller gefahrdrohenden Erschei 
nungen erwachten. Von den 44 in der Literatur verzeichneten Fällen endeten 
14, also ca. 32 pCt., tödtlich. 
Ml as den Weg der Aufnahme des Giftes anbelangt, so wurde von 41 Fällen 
dasselbe in einem Falle per os und Inhalation, in vier Fällen ausschliesslich 
durch Inhalation und in 36 Fällen per os aufgenommen. 
Von diesen 36 Fällen ist bei 31 die Zeit des Eintritts der Intoxications 
erscheinungen angegeben, und diese traten auf: 
unmittelbar io 2 Fällen, 
nach 15 Minuten in 1 Fall, 
15—20 Minuten in 18 Fällen, 
30—60 Minuten in 4 
• - 1—2 Stunden in 4
	        
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