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Raum in der Reihenfolge aller zur Anilinfabrik gehörenden Räume
unter 12 den 4. ersten Platz ein. Bei einem durchschnittlichen Be
stand von 8 Arbeitern erkrankten pro Jahr deren 4, ohne dass Er
krankungen irgend eines Organes prävalirteti. E. Tab. 9 u. 12. —
Von diesen 8 Arbeitern waren 2 durch 9 Jahre und je einer durch
ß resp. 8 resp. 10 Jahre in diesem Raume beschäftigt.
2) Der Uediictioiis-Kaiiin.
Wir gehen jetzt über zu der Darstellung des Anilins aus dem
hiitrobenzol. Es geschieht dies in dem Reductionsraume, in welchen
das Nitrobenzol durch Luftdruck übergeleitet wird.
Die Aufgabe dieses Raumes ist es, durch Einwirkung von metallischem
Eisen und Salzsäure die Nitro-Körper in die betreffenden Basen überzuführen.
Es geschieht dies in grossen'gusseisernen Apparaten mit Rührwerken, in welche
unter vollständigem Luftibschlhss das Nitrobenzol einläuft, während Eisen und
Säure durch auf dem Deckel dieser Gefässe angebrachte Füllöffnungen von Hand
eingebracht wird. Die durch die nunmehr statifindonde Reaction überdestilli-
renden Producto passiren den Kühler, um wieder in die Apparate zurückzu
laufen. Nach beendeter Reaction wird das gebildete Anilin dimch Dampf in Re
servoire überdestillirt. Diese Reservoire sind mit Deckel und Abzügen versehen,
um jede Ausdünstung von Anilin in den Raum möglichst zu vermeiden. Eine
uun noch folgende Rectification in schmiedeeisernen Retorten bildet den Schluss
der Darstellung von Anilin.
Der in den Apparaten verbleibende Rückstand von Eisenoxyd, Chlorcal
cium, Wasser und einigen organischen Verbindungen wird mit gespannter Luft
in zu diesem Zwecke construirte Sturzkarren übergeführt, um auf einem .entfernt
liegenden Felde ausgeleert zu werden. Hier wird derselbe durch die Luft ge
trocknet und dann an Hochöfen zur Wiedergewinnung des in ihm enthaltenen
Eisens verkauft. Ein Theil desselben geht auch an Gasfabriken, für welche das
Gemenge ein brauchbarer Stoff zum Reinigen des Gases ist.
Anilin.
Unter Anilin im gewöhnlichen Sinne versteht man ein zur Farben
bereitung verwendbares, in seiner Zusammensetzung wechselndes Ge-
Hiisch von Anilin, Toluidin und wohl auch Xylidin. Mit den Fort
schritten in der Farbentechnik beanspruchte mau die Isolirung und
Reindarstellung dieser 8 Bfestahdtheile, die sich sowohl in ihrem
chemischen, als auch in ihrem Verhalten bei der Bildung von Farb
stoffen sehr VN'cscutlich von einander untci'scheiden.
Das Anilin, als chemisches Individuum und Abkömmling des Benzols
resp. Nitrobenzols betrachtet, ist ein farblose« Gel, das sich aber bald an Luft
und Licht färbt, von einem spec. Gewicht von 1.086 bei 0®; sein Siedepunkt
liegt bei 184,5 C. Bei —<-8® krystallisirt es, jedoch nur, wenn es von jeder Ver-