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III. Das Leben des Buddha.
zurück; Handel und Wandel ist unterbrochen. Die indischen Dichter
schildern gerade die Regenzeit mit Vorliebe, da sie die getrennten
Liebenden vereint. So wurde die Regenzeit auch sür Buddha und
seine Jünger eine Zeit der Ruhe, um so mehr, als der Mönch
bei seiner Wanderung auf Schritt und Tritt Keime der Pflanzen
und Insekten zertreten und damit eine schwere Sünde auf sich ge
laden hätte. Buddha war daher genötigt, mit seinen Jüngern
alljährlich „die Regenzeit zu halten". Man lebte in Hütten oder
geschlossenen Hallen, Vibarao genannt, in den Hainen, die der
Gemeinde geschenkt worden waren, Buddha selbst meist in der
Nähe der Hauptstädte, bei RajaMba im Veluvana und bei Srä-
vasti im Jetavana, „dem Haine des Jeta". Das Jetayana war
ein Geschenk des reichsten und freigebigsten unter den Verehrern
Buddhas, des bei den Buddhisten hoch gefeierten Kaufmanns
Anäthapindika, von den nördlichen meist Anätbapindada
genannt. Die Legende erzählt, daß der Prinz Jeta den Hain nicht
verkaufen wollte, Anätbapindika aber ihm so viel Gold dafür bot,
als nötig wäre, um damit den ganzen Erdboden bis zu den äußersten
Enden des Haines zu bedecken. Die dazu nötige Summe betrug
nach der Nidänakathä 180 Millionen Goldstücke, die der Kauf
mann erlegte. Die Szene ist abgebildet auf dem großen Stupa
von Bharaut und trägt die Unterschrift „Anäthapindika schenkt
das Jetavana, nachdem er es durch Bedeckung mit Kotis 1 )
(von Goldstücken) gekauft hat." In das Jetavana werden noch
mehr Predigten und Unterredungen des Buddha verlegt als in
das Veluvana; es war vor allem sein Lieblingsaufenthalt. Weit
aus die meisten buddhistischen Sntras beginnen: „So habe ich ge
hört. Einst weilte der Herr in Srävasti, im Jetavana, dem Parke
des Anäthapindika." In diese Haine strömte das Volk, um Buddhas
Predigten zu hören und um ihn und die Mönche mit Kleidung
und Lebensmitteln zu versorgen. Dieser Gebrauch des „Regen
zeithaltens" hat sich in der südlichen Kirche bis auf den heutigen
Tag erhalten, obgleich in Ceylon die Bedingungen ganz andere
sind, und die Mönche längst ihr Wanderleben aufgegeben haben
und beständig in wohlgebauten Klöstern wohnen. Zur Zeit des
alten „Regenzeithaltens" verlassen sie ihre Klöster und leben in
Hütten, die die Bauern ihnen errichten. Hier halten sie öffent
lichen Gottesdienst ab, an dem jeder teilnehmen kann. Es ist dies
1) Eine Koti ist — 10 Millionen.