Full text : Die wirthschaftliche Bedeutung und Rentabilität des Elb-Spree-Canals

50

Gleichfalls  wenig  günstig  für  den  vorliegenden  Fall  ist  eine  Aufstellung  des
Herrn  Geheimrath  Meitzen.  In  seinen  „Topographischen  Erwägungen  für  den  Bau
von  Canälen  (S.  23)  giebt  Meitzen  folgende  Verhältnisszahlen  an:

wenn  der  Canal  auf  die  Meile  seines  Laufes

Es  erfordert  ein

durchschnittlich  kostet  an  Anlagekosten

Canal-Gebühren-Tarif
  für  Ctr.
und  Meile  von

300  000  Thlr.  |  200  000  Thlr.  |  150  000  Tlilr.
(bei  5  7o  Verzinsung  und  l'/^  7o  Unterhaltung
und  Verwaltung)

0,150  Pf.
0,200  „
0,250  „

45  000  000  Ctr.
33  750  000  „
27  000  000  „

30  000  000  Ctr.
22  500  000  „
18  000  000  „

22  500  000  Ctr.
IG  875  000  „
13  500  000  „

Um  5%  Verzinsung  und  VU%  des  Capitals  für  Unterhaltung  und  Verwaltung
zu  erlangen,  würde  hiernach  bei  300  000  Thlr.  Baukosten  pro  Meile  und  hei
27  000  000  Ctr.  Fracht  eine  Canalgebühr  von  0,25  Pf.  pro  Centner  und  Meile  (0,66  Pf.
pro  Tonnen-Kilometer)  erforderlich  sein.  Nun  hat  zwar  der  Elb-Spree-Canal  voraussichtlich ­
  eine  höhere  Fracht  als  nur  27  000  000  Ctr.,  dies  wird  aber  mehr  als  reichlich ­
  dadurch  aufgewogen,  dass  die  Baukosten  pro  Meile  aut  über  700  000  Thlr.  zu
stehen  kommen.  Darnach  würde  der  Elb-Spree-Canal  zu  den  von  Meitzen  angenommenen ­
  Canalgebühren  sich  kaum  rentiren.  Doch  ist  nicht  zu  übersehen,  dass  für
den  Elb-Spree-Canal  der  Betrieb  durch  Tauerei  angenommen  ist,  während  Meitzen
—  und  ganz  dasselbe  gilt  auch  für  die  Aufstellungen  von  Krantz  und  Gobert  —
bei  der  Berechnung  voraussetzt,  dass  der  Schiffer  für  sein  eigenes  Fortkommen
sorgt,  mag  dies  nun  durch  Segel,  Pferdebetrieb  oder  Menschenkraft  geschehen.
Mit  Rücksicht  darauf,  dass  der  oder  die  Unternehmer  des  Canals  (wobei  es
vorläufig  gleichgiltig  ist,  ob  dies  der  Staat  oder  eine  Actien-Gesellschaft  sein  wird)
durch  Anlage  von  Tauerei  auch  für  die  Fortbewegung  der  Schiffe  sorgen  werden,  hat
Herr  Director  Bellingrath  in  seinem  verdienstlichen  Werke:  „Studien  über  den  Bau
und  die  Betriebsweise  des  deutschen  Canalnetzes“  sehr  sorgfältige  Rentabilitäts-Berechnungen ­
  der  Canäle  aufgestellt.  Unter  der  Voraussetzung,  dass  ein  Canal  für  Schiffe
von  7000  Ctr.  Tragkraft  eingerichtet  ist,  welche  Voraussetzung  hier  zutrifft,  ergiebt  nach
Bellingrath  ein  solcher  Canal  bei  20  000  000  Ctr.  Fracht  5%,  bei  25  000  000  Ctr.
6,3%,  bei  30  000  000  Ctr.  7%  Reinertrag.  Freilich  setzt  Bellingrath  voraus,  dass
die  Baukosten  pro  Meile  nur  1800  000  M.  erreichen.  Da  nun  der  Elb-Spree-Canal
2  200  000  M.  Baukosten  pro  Meile  verlangt,  so  würde  nach  diesen  theoretischen
Erörterungen  bei  33  000  000  Ctr.  Totalverkehr  die  Rente  circa  6%  betragen.
Anstatt  sich  auf  diese  vorwiegend  theoretischen  Methoden  zu  verlassen,  kann
man  auf  einem  andern  und  zwar  dem  empirisch-practischen  Wege  zu  einer
Rentabilitäts-Berechnung  gelangen,  sobald  man  zuerst  erwägt,  welche  Fracht-Forderung
  noch  zulässig  sein  dürfte,  richtiger  vielleicht,  welche  Fracht
der  Schiffer  ohne  zu  grosse  Belastung  zu  zahlen  im  Stande  ist,  und  darnach
unter  Zugrundelegung  des  zu  erwartenden  Gesammtverkehrs  die  Einnahmen ­
  aus  den  Canalgebühren  berechnet.
Nach  dem  Geschäftsbericht  der  Ketten  -  Schleppschiffahrts  -  Gesellschaft  der
Oberelbe  zu  Dresden  für  1880  betrugen  die  durchschnittlichen  Frachtpreise  für  die
wichtigsten  Elbschiffahrtsgüter
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.