Kap. IV. Das fiktive Kapital und der oft für Zins gehaltene Gewinn.
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Kapitel IV.
Das fiktive Kapital und der oft für Zins gehaltene Gewinn.
Der Glaube, daß der Zins ein Raub an der Lrwerbtätigkeit sei,
rührt nach meiner Überzeugung zum großen Teil daher, daß man nicht
zu unterscheiden vermochte, was wirklich Kapital ist und was nicht,
und daß man ferner nicht gehörig zwischen Gewinn, der eigentlich Zins
ist, und Gewinn, der anderen «Duellen als der Kapitalnutzung entspringt,
unterschied. Zn der Redeweise und Literatur unserer Tage wird jeder
Kapitalist genannt, dem sein Besitz ohne Arbeit einen Ertrag gewährt,
während alles, was er so empfängt, als Gewinn oder Einnahme des
Kapitals bezeichnet wird, und überall hören wir von dem Konflikt zwischen
Arbeit und Kapital. Ob in Wirklichkeit ein Konflikt zwischen beiden
bestehe, darüber bitte ich den Leser sein Urteil zurückzuhalten, aber es
wird gut sein, schon hier einige, das Urteil verwirrende, irrtümliche
Auffassungen hinwegzuräumen.
Es wurde schon die Aufmerksamkeit auf den Umstand gelenkt,
daß Landwerte, die einen so ungeheuren Teil dessen, was gewöhnlich
Aapital genannt wird, ausmachen, überhaupt gar nicht Kapital sind,
und daß die Grundrente, welche ebenso gewöhnlich in den Kapitals-
Erträgen eingeschlossen wird, und die einen immer größeren Teil der
Einnahmen eines fortschreitenden Landes ausmacht, kein Erwerb des
Aapitals ist und sorgsam von den Zinsen getrennt werden muß. Es ist
sticht nötig, für jetzt weiter bei diesem Punkte zu verweilen. Ebenso
ist die Aufmerksamkeit auf den Umstand gelenkt worden, daß Aktien,
5taatspapiere, Hypothekenbriefe usw., die einen weiteren großen Teil
bessert ausmachen, was gewöhnlich Kapital genannt wird, ebenfalls
Kicht dazu gehören; aber in einigen ihrer formen gleichen diese Schuld
verschreibungen allerdings dem Kapital und verrichten tatsächlich in
einigen Fällen dessen Funktionen (oder scheinen es wenigstens zu tun),
während sie ihren Besitzern einen Ertrag liefern, der nicht allein Zins
genannt wird, sondern auch jede Ähnlichkeit damit hat, so daß es sich
verlohnt, ausführlicher darüber zu sprechen, ehe wir dazu schreiten, den
^egriff des Zinses von einigen anderen demselben anklebenden Zwei-
eutigkeiten zu säubern.
. Nichts kann, wie man sich stets erinnern muß, Kapital sein, was
vjcht ein Gut ist, d. h. aus wirklichen handgreiflichen Dingen besteht;
wcht die freiwilligen Gaben der Natur, die in sich selbst, nicht aber durch
Vertretung, die Kraft haben, direkt oder indirekt menschliche wünsche
befriedigen.
Daher ist ein Staatspapier nicht Kapital, noch auch nur Repräsen-
.vvt von Kapital. Das Kapital, das die Regierung einst dafür erhielt,
1 unproduktiv verbraucht worden — verpufft aus den Mündungen