Full text : Die österreichisch-rumänische Zollfrage

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Die  Differenz  zwischen  der  Zahl  der  Seuchenfälle
vor  und  nach  Einführung  der  Grenzsperre  ist  eine  ganz
kolossale;  der  Gesammtverlust  an  Rindern  sank  von  3952
des  Jahres  1881  auf  31  (sage  einunddreissig)  des  Jahres  1882!
Diesen  überraschend  günstigen  Resultaten  gegenüber
nun  unternimmt  es  Rumänien,  die  Aufhebung  der  Grenzsperre ­
  zu  fordern,  in  diese  Forderung  stimmen  die  grössten
Journale  Wiens  ein,  und  der  Gemeinderath  der  Reichshauptstadt ­
  Wien  verschmäht  es  nicht  —  aus  Rücksichten  der
billigeren  Approvisionirung  Wiens  —  Jahr  aus  Jahr  ein  die
Grenzeröffnung  anzusuchen,  er  verschmäht  dies  nicht  selbst  im
Augenblick  der  beginnenden  Vertragsunterhandlungen  mit
Rumänien.  Fürwahr,  ein  unfassbares  Vorgehen  der  Reichshauptstadt! ­
 1
Wir  haben  im  Bisherigen  gesehen,  dass  die  Rinderpest
in  Rumänien  und  Russland  permanent  ist;  wir  erkannten
die  ausgezeichnete  Wirkung  der  Grenzsperre  als  Schutzmassregel.
  Betrachten  wir  nun,  ob  sie  wirklich  das  einzige
Mittel  zur  Fernhaltung  der  Seuche  ist,  ob  Rumänien  nicht
vielleicht  selbst  durch  Vorkehrungen  im  eigenen  Lande  oder
ob  österreichische  Contumazanstalten  uns  ebenso  genügende
Sicherheit  gewähren  könnten.
Um  Veterinärmassregeln  den  Erfolg  zu  verbürgen,  dazu
gehören  nicht  blos  gute  Gesetze,  sondern  auch  Organe,
welche  dieselben  ausführen.
Würde  Rumänien  heute  das  Österreichische  Seuchengesetz ­
  auch  adoptiren,  wir  könnten  dadurch  doch  nie  das
Gefühl  der  Sicherheit  erhalten,  denn  dieses  Gesetz  erfordert,
soll  es  sich  bewähren,  strammste  Handhabung  der  seuchenpolizeilichen ­
  Massregeln,  es  stellt  schon  an  den  Gemeindevorsteher ­
  so  grosse  Anforderungen,  dass  denselben  kaum  in
unseren  walachischen  Districten,  umsoweniger  in  dem
unter  rumänischer  Botmässigkeit  stehenden  Gebiete  Rechnung
getragen  werden  kann.  Hier  handelt  es  sich  ja  nicht  blos  um
i  Siehe  auch  unseren  Artikel  in  der  ,Wr.  landwirthschaftl.  Ztg."
1885,  Nr.  33.
            
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