Full text : Die österreichisch-rumänische Zollfrage

wir  diese  vom  Rechte  der  Meistbegünstigung  auszuschliessenden
  Waaren  auch  nur  im  Bereiche  der  Rohproducte  zu
suchen  haben.
Wir  haben  schon  im  Vorangegangenen  auf  die  traurige
Lage  unseres  Getreidehandels  hingewiesen,  auf  die  kaum  noch
schlechter  denkbare  Marktconjunctur  der  letzten  Jahre.
Die  Getreidezölle  unserer  Nachbarländer  zwingen  uns
nun  geradezu,  den  Zollsatz  für  Getreide  zu  binden.  Só  sehr
wir  auch  bedauern,  dies  gerade  dort  thun  zu  müssen,  wo
Rumäniens  Hauptexportartikel  in  Frage  kommt, 1  so  ist  doch
gerade  hier  keine  Concession  möglich.  Nachgiebigkeit  in  dieser
Richtung  hiesse  grösste  Opfer  für  kleinere  Vortheile  bringen.
Wir  werden  also  (unter  Fortdauer  des  Vieheinfuhrverbotes, ­
  dessen  Unabweislichkeit  wir  bereits  dargelegt)  für  alle
Waaren  rumänischer  Provenienz  die  Meistbegünstigung  zu
gewähren  haben,  nur  für  das  Getreide  wird  der  Zollsatz,
conform  dem  neu  beantragten  allgemeinen  Zolltarif  des
österreichisch-ungarischen  Zollgebietes  zu  bestimmen  und  vertragsmässig
  zu  binden  sein.  Mit  dieser  Forderung,  wir
wissen  es  sehr  wohl,  werden  wir  freilich,  bei  aller  Zustimmung ­
  seitens  der  agricolen  Bevölkerung  Oesterreichs,  doch
auch  selbst  bei  uns  auf  lebhaften  Widerspruch  stossen,  und
zwar  seitens  der  Grossmüller  Ungarns.  Sie  verwenden  in
ihren  Dampfmühlen  alljährlich  rumänischen  Weizen,  den  sie
wegen  seiner  leichten  Qualität  dem  Banater  beimengen;  nur
dadurch,  behaupten  sie,  können  sie  dem  ungarischen  Weizenmehle ­
  den  Weltmarkt  wie  bisher  bewahren.  Sie  benÖthigen
hierzu  nach  ihrer  eigenen  Angabe  etwa  400.000  Metercentner
walachischen  Weizens.  Die  Unentbehrlichkeit  gerade  dieser
Weizenqualität  für  einen  Augenblick  zugegeben,  können  wir
darum  doch  noch  immer  nicht  einsehen,  wozu  wir  deshalb
den  zollfreien  Import  von  einer  Million  169  Tausend
Metercentnern  (so  viel  sind  pro  1885  verzeichnet!)  zulassen
1  Im  Jahre  1884  betrug  der  Handelswerth  der  gesammten  Warenausfuhr ­
  Rumäniens  nach  Oesterreich  33,367.000  fl.,  wovon  auf  das  Getreide ­
  allein  schon  22,305.000  fl.  entfallen.
            
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