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unerhört willkürlicher Weise aufhob. Herr Grau ert, der be
reits bedeutende Opfer für die Kolonie Santa Teresa gebracht
hatte, ist inzwischen gestorben, wie man sagt, in Folge der Auf
regung, in welche ihn das Verfahren der Regierung begreiflicher
Weise versetzen mußte. Daß derartige Vorkommnisse der Kolo
nisation, also auch dem wirthschaftlichen Fortschritte des Landes
nicht eben förderlich sein können, liegt auf flacher Hand. Trotz
alledem scheinen wieder Unternehmungen großartigen Stiles,
welche die Anlegung deutscher Kolonien in Uruguay bezwecken,
im Werke zu sein. In der Hauptstadt Montevideo wohnen
neben den zahlreichen Spaniern, Italienern und Franzosen frei
lich nur wenige Deutsche, doch haben diese mit den Engländern
den gesammten Großhandel des Landes inne.
Argentinien. In der in mächtigem Aufschwünge be
griffenen argentinischen Republik gewinnt das Deutschthum
mehr und mehr an Einfluß, wenn sich auch noch nicht solche
Zentren deutschen Lebens gebildet haben, wie das Kolonien
gebiet von Rio Grande do Sul eins ist. Ueber ganz Argen
tinien verstreut sollen ungefähr 30.000 Deutsche leben; am dich-
testen sitzen sie in den Provinzen Buenos Aires mit der
Hauptstadt des Landes, Entre Rios und Santa
F6. Unter sämmtlichen Ausländern sind in Argentinien die
Italiener am zahlreichsten vertreten, man schätzt sie auf über
160,000 Köpfe.
In der Hauptstadt Buenos Aires mögen etwa 4000
Deutsche leben, was unter einer Bevölkerung von über 430,000
Seelen gerade nicht viel ausmacht. Jedoch spielen dieselben
hier eine sehr bedeutende Rolle, da der Großhandel zum großen
Theil in den Händen deutscher Kaufleute liegt, der Ausfuhr
handel nahezu vollständig. Ganz im Süden der Provinz Bue-