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alle Schiffe im Hafen, die öffentlichen Gebäude und viele Pri
vathäuser Flaggenschmuck angelegt; die dortige deutsche Zeitung
„Das Kap land" erschien zur Feier des Tages mit rothem
Titeldruck und einem rothen Rande versehen. Auch in Dur
ban, Bloemfontein, PortElizabeth, Beaufort
We st, Mosselbay, Olival North und anderen Städ
ten wurde der Tag auf das festlichste begangen. In Pre
toria, der Hauptstadt der Südafrikanischen Republik, flaggten
sämmtliche Staatsgebäude; Kanonenschüsse wurden abgefeuert,
und an dem Abends stattfindenden Balle betheiligte sich die
Gattin des Präsidenten Krüger mit ihren Kindern, während
dieser selbst, welcher sich gerade auf Reisen befand, nicht unter
ließ, seinem Bedauern über sein Nichterscheinen Ausdruck zu
verleihen.
Die genaue Zahl der in Südafrika lebenden Deutschen ist
leider kaum annähernd festzustellen, da die diesbezüglichen An-
gaben vollständig von einander abweichen. Nach Dr. med.
A. Fick in Richmond (Kapland) beträgt die Zahl der allein
in der K a p k o l o n i e lebenden Deutschen mindestens 100.000,
nach der bereits erwähnten Zeitung „Das Kapland" 60—70,000.
Dagegen wären nach M e r e n s k y in ganz Südafrika nur
etwa 16,000 Deutsche, „welche des Zusammenhauges mit dem
Mutterlande sich noch bewußt sind, welche deutsche Art und
deutsche Sitte noch nicht ganz darangegeben haben". Man
findet nach Dr. F i ck die Deutschen überall in der Kolonie,
„unter den reichen Kaufherren der Küstenstädte und Kimberley's,
avie unter den versoffenen Bummlern der Landstraße, unter
den Aerzten. Ingenieuren und hohen Beamten der Kolonie,
wie unter den Dienstboten und Handwerkern, Klein- und Groß-
bauern." In K a p st a d t besitzen die Deutschen mehrere Schulen