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baren in Anspruch genommen werden, welche früher oder später
doch der Ucbermacht weichen müssen. Uebrigens gereicht die
Schwäche der Nachbaren einer Nation keineswegs immer zu
besonderem Vortheil, denn die nationalen Kräfte bedürfen steter
Uebung und-Anspannung, und wo diese mangelt, tritt lucht
Verweichlichung und Zerfall ein. Im Kampfe gegen starke
Feinde sind solche Grenzen, welche eine natürliche Vertheidigungs-
Unie bilden, oft von ausschlaggebender Bedeutung. Wie wir
gesehen haben, führt der Handel dem Volke Reichthum zu und
ist der Reichthum auf das innigste mit der Macht und Größe
einer Nation verknüpft; daher ist die dem Weltverkehr mehr
oder weniger günstige Lage seines Landes von der größten
Wichtigkeit für ein Volk. Der Eifer, mit welcher Nationen
des Binnenlandes bestrebt sind, sich bis an die See auszu-
dehnen und gute Handelshäfen zu gewinnen, ist also wohl er-
klärlich. Mehr als alle äußeren Umstände ist jedoch der tüchtige
innere Kern eines Volkes und seine gut nationale Gesinnung
maßgebend für die endliche Entscheidung in dem großen allge-
meinen Völkerkampfe.
Der geschilderte Kampf der Nationen um den Grund und
Boden ist ein Kampf um das Dasein, welcher im Laufe der
Zeit sich nothwendiger Weise zu einem Kampfe um die
Weltherrschaft fortentwickeln muß; denn es ist eine ganz
natürliche Folge dieses unaufhörlichen Streites, daß einzelne,
kräftigere Nationen sich immer weiter ausbreiten, während
andere, schwächere zurückgedrängt werden und schließlich ganz
verschwinden, daß ferner mit den Völkern auch die Gebiete,
um deren Besitz gestritten wird, immer größere werden, bi»
schließlich einige wenige große Nationen den Kampf um die
ganze bewohnbare Erde mit einander aufnehmen. Die Geschichte