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tor Hugo und Genossen stehen in engstem Zusammenhang mit
dem großprahlerischen, hohlen und energielosen Wesen der heu
tigen Franzosen. Leider ist auch seit mehreren Jahrzehnten in
Lie deutsche Literatur ein Geist hineingefahren, welcher am be
sten auf ewig aus ihr verbannt bliebe. Die gegenwärtig über
handnehmende fabrikmäßige literarische Produktion, welche Ron-
tine — sür die schlechte Sache ein schlechtes Wort — an die
Stelle von Geist und Wissen setzt, den Ideengehalt des Volkes
verdirbt und dasselbe von der Vertiefung in die wahrhaft be
deutenden Erzeugnisse seiner Literatur abzieht, bildet ohne Zwei
fel eine der schlimmsten Gefahren für die gesunde Fortentwicke
lung der Nation, ja für die Erhaltung des deutschen Staats-
wesens in seiner bisherigen Kraft. Es ist unglaublich, daß in
einer Nation, welche Göthe den ihrigen nennt, ein Heine
als hervorragender Geistesheld gefeiert werden saun, daß man
sogar damit umgeht, ihm ein Denkmal zu setzen. Heine ist
das Urbild jenes leider noch immer tonangebenden Literaten
thums, welches — um mit Schopenhauer zu reden — sich durch
einen auffallenden Mangel an allem demjenigen auszeichnet,
was die Römer verecundia nannten, und in Folge dessen auf
den schönsten uud edelsten Theil des deutschen Nationalcharak
ters in wahrhaft erschreckender Weise zerstörend einwirkt. Um
ihre lächerliche Eitelkeit zu befriedigen, um „geistreich" oder „pi
kant" zu erscheinen, um einen albernen Witz anzubringen, scho-
neu diese modernen Schriftsteller der heiligsten Gefühle nicht,
ziehen sie oft sogar das in den Staub, was sie selber sonst zu
vergöttern pstegen. Die geistreichelnde Oberflächlichkeit, sowie
die schwülstige Redeweise Heines und seiner abertausend Nach
folger, welche sich fast nur dadurch von ihm unterscheiden, daß
.sie meistens — nicht leider, sondern Gottlob! — ihm an Form-