Full text: Die Deutschen im Auslande

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wiederum wurde dieselbe verpaßt. Der Grund der fortwährenden 
inneren Streitigkeiten hätte gehoben, dem Entstehen mächtiger 
Nachbarreiche im Osten und Westen hätte vorgebeugt werden 
müssen. Hätten doch die deutschen Kaiser, statt ihre Kräfte in 
zwecklosen Kämpfen gegen die Italiener zu vergeuden, ihr Augen- 
merk darauf gerichtet, den fruchtbaren Osten Europas, insbe- 
sondere das Donaugebiet, dem deutschen Reiche einzuverleiben 
und mit Deutschen zu besiedeln I Es bedurfte nur thatkräftiger 
Unterstützung der vielversprechenden Anfänge, welche bereits ge- 
macht waren und von denen noch heute die Ucberbleibsel deut 
scher Ansiedelungen in Osteuropa Zeugniß ablegen. Bald jedoch 
war es zu spät. Gefördert durch die beklagenswerthe Kirchen- 
spaltung. hob das alte Gespenst der deutschen Uneinigkeit bald 
gewaltiger sein Haupt empor, als es je zuvor geschehen war- Das 
heilige römische Reich deutscher Nation zerfiel in zahllose so gut wie 
selbständige kleine Staaten, seine früher so gewaltige Macht 
sank in den Staub. Im Osten wie im Westen bröckelten wichtige 
Landestheile ab und halfen die Macht der schlimmsten Feinde 
unserer Nation verstärken. Sogar die Schmach der Fremdherr- 
schaft sollte dem deutschen Volke nicht erspart bleiben; doch gab 
diese Zeit der tiefsten Erniedrigung mächtigen Anstoß zu einem 
herrlichen Wiedererwachen des Nationalbewußtseins, dem bald 
die Einigung auf neuer, besserer Grundlage und damit ein ge 
waltiger Aufschwung der nationalen Macht folgte. Wiederum 
steht ein mächtiges Deutsches Reich da, von welchem der 
große Staatsmann, ohne selbst von seinen schlimmsten Wider- 
fächern der Ueberhebung geziehen zu werden, sagen durfte, daß 
es nur Gott zu fürchten brauche, sonst nichts in dieser Welt. 
Mit dem Niedergang der politischen Macht unseres Volkes 
war, wie es nicht anders sein konnte, ein Niedergang des
	        
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