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mit der offenen oder versteckten Absicht, sämmtliche slavische
Stämme unter dem Szepter feines Zaren zn vereinigen. Offen
bar würde die geplante Machtvergrößernng Rußlands die Selbst,
ständigkeit der sämmtlichen hoher zivilisirten Staaten Europas
in bedeutendem Grade gefährden. Es ist möglich, daß auch
ohne blutigen Entscheidnngskampf die Russen ihre herrschsüch-
tigen Pläne fallen lassen werden oder fallen lassen müssen; die
deutsche Nation jedoch würde sich eines sträflichen Leichtsinnes
schuldig machen, wenn sie nicht stets für einen solchen Kampf
bis an die Zähne gewappnet dastände. Glücklicher Weise würde
das Deutsche Reich nicht allein stehen in diesem Kampfe, es
würde einen starken Bundesgenossen haben in der zweiten euro-
päischen Großmacht, welche ans den Trümmern des heiligen
römischen Reiches deutscher Nation hervorgegangen ist, in
Oesterreich-Ungarn. Nur so lange jedoch darf dieser
Bundesgenosse als zuverlässig gelten, so lange in Oesterreich die
Deutschen, in den Ländern der ungarischen Krone die Mag-
y aren die Herren sind; nichts würde der deutschen Nation
verderblicher sein, als slavische Vorherrschaft in Oesterreich-
Ungarn. Die Erhaltung der habsbnrgischen Monarchie als
dentsch-magyarischen Staatsgebildes ist auch insofern eine poli.
tische Nothwendigkeit für die Deutschen, als ihnen Oesterreich,
das Ostreich, gleichsam eine Pforte öffnet in die weiten, der
Knltivation durch eine höhere Rasse harrenden Gebiete des
' Orients.
Von den übrigen, hier nicht genannten europäischen Na-
. tienen können nur noch zwei als bemerkenSwerth gelten: die
Italiener und die Angelsachsen, zu welchen letzteren selbst-
verständlich neben den Engländern auch die Yankees in
Nordamerika zu zählen sind.