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zugehen. Eine wahrhaft verächtliche Nolle in diesen Kämpfen
şpielen die vielen Ueberläufer aus dem deutschen in das tschechische
^-'ager, deren Handlungsweise meistens auf die unlautersten Be
weggründe zurückzuführen ist. Es hindert nichts, einen Rene
gaten seiner Religion für durchaus ehrenwerth zu halten, da
der Glaubenswrchsel aus innerster Ueberzeugung hervorgegangen
sein kann; ein Renegat seiner Nation ist immer verächtlich, mag
er den Fürstenmantel tragen oder den Bettelsack, denn die Na-
lionalität haftet der Person an und die Verleugnung derselben
beweist daher einen erbärmlichen Mangel an Selbstachtung.
Einer der schlimmsten Feinde unseres Volksthumes in Böhmen
ist der durch seinen gewaltig ausgedehnten Grundbesitz außer-
ordentlich cinsiußreiche Fürst Swarczemberc. Zu den
mächtigsten Stützen des Deutschthums zählt ohne Zweifel der
„Deutsche Schulverein"; außerdem ist das segensreiche Wirken
einiger lokaler Vereine hervorzuheben, die in kleinerem Kreise
für die Erhaltung deutscher Sprache und Art thätig sind, so
vor allen Dingen des „Deutschen Böhmcrwaldbundes" mit
semen mehr als 140 Ortsgruppen. In Prag bestehen mehrere
derartige Vereine, unter anderen der „Deutsche Handwerker-
bund", welcher seit der kurzen Zeit seines Bestehens bereits be-
deutende Leistungen aufzuweisen hat.
Mähren. In Mähren zählt man neben 1,507,328
Slaven 628.907 Teutsche, also gegen 29,6 Prozent. Die
^"Ischen Mährens wohnen außer an der s ch l e s i s ch e n und
niederösterreichischen Grenze in einigen größeren
Sprachinseln, von denen diejenigen um Jglau und Zwittau
hervorzuheben sind. Erstere, die sich bis nach Deutschbrod in
Böhmen hinein erstreckt, zählt allein in Mähren 25.372 deutsche
Bewohner. Leider ist in Mähren so gut wie in Böhmen das