Full text: Theoretische Sozialökonomie

. Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
dem Roggenbau gewidmet wird. Eine Veränderung in der gesamten 
Nachfrage nach Ackerboden oder nach landwirtschaftlicher Arbeits- 
kraft braucht deshalb nicht einzutreten. Wenn der Boden ebensowohl 
für Weizen- wie für Roggenbau verwendet werden kann, braucht also 
in den Preisen dieser Produktionsmittel keine Veränderung einzutreten. 
Die Veränderung der Nachfrage hat dann nur die Folge, daß die Pro- 
duktionsmittel eine teilweise veränderte Verwendung erhalten. In be- 
zug auf die eigentlichen Industrieprodukte ist ein‘ derartiges Verhältnis 
ziemlich allgemein. Ob die Nachfrage nach Messern oder Schlittschuhen 
relativ stärker hervortritt, ist für die Preise dieser Artikel auf die Dauer 
gleichgültig, denn die Arbeit und das Material, überhaupt die Produk- 
tionsmittel, die zur Herstellung von Messern verwendet werden, können 
im ganzen ebensogut zur Herstellung von Schlittschuhen benutzt werden. 
In allen solchen Fällen kommt es nur auf die Mengen der betreffenden 
Produktionsmittel an, die zur Herstellung des einen oder anderen 
fertigen Gutes erforderlich sind. Da die Veränderungen der Nachfrage 
nicht die Nachfrage nach den Produktionsmitteln berühren, können 
die Preise dieser Produktionsmittel als fest angenommen werden, und 
man kann dann behaupten, daß die Preise des betreffenden fertigen 
Gutes in direktem Verhältnis zu den Produktionskosten desselben 
stehen. Man würde also zu einer „Produktionskostentheorie‘‘ für ein 
begrenztes Gebiet von Güterpreisen kommen. 
Daraus darf man aber keineswegs schließen, daß in solchen Fällen 
die subjektiven Bestimmungsgründe ihre Bedeutung für die Preisbildung 
vollständig verloren hätten, die Preise ausschließlich auf objektive Be- 
stimmungsgründe zurückgeführt werden könnten. Wohl kann es für 
die Preisbildung ziemlich gleichgültig sein, ob die Nachfrage sich dem 
einen oder anderen Gute innerhalb einer gewissen Gruppe von Gütern 
zuwendet, solange nämlich die Gesamtnachfrage nach den verschiedenen 
in Betracht kommenden Produktionsmitteln dabei unverändert bleibt. 
Diese von der ganzen Gütergruppe ausgehende Gesamtnachfrage nach 
einem Produktionsmittel ist aber nicht ohne Bedeutung für den Preis 
dieses Produktionsmittels. Die Existenz dieser Gesamtnachfrage ist 
offenbar eine wesentliche Bedingung für die Aufrechterhaltung des 
Preises des Produktionsmittels und damit für den ganzen Preisbildungs- 
prozeß. Solange sich die genannte Gesamtnachfrage konstant hält, hat 
sie natürlich keine Tendenz, den Preis des Produktionsmittels zu ver- 
ändern. Aber auch sie kann sich verändern und solche Veränderungen 
können nicht umhin, die Preisbildung zu beeinflussen. 
- Damit kommen wir zu den Fällen, wo eine veränderte Nachfrage 
nach fertigen Gütern auch eine nicht zu vernachlässigende Veränderung 
in der Nachfrage nach Produktionsmitteln bedeutet und somit einen 
aktiven Einfluß auf die Preisbildung gewinnt. Als Beispiel können wir 
die außerordentlich starke Entwicklung der Automobilindustrie an- 
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