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es jedoch, daß sie nicht durch übereifrige Magyarisirungsversuche
l)ie Deutschen Ungarns, welche ihre Treue so oft und so glän
zend bewährten, und in Folge dessen die Deutschen überhaupt
sich zu Feinden machten. Dadurch könnte beiden Theilen ein
unberechenbarer Schaden entstehen. Beide, die Deutschen sowohl
wie die Ungarn, haben im Osten Platz sich auszudehnen die
Hülle und Fülle, ohne mit einander in Widerstreit gerathen zu
müssen; wie diese Ausdehnung stattzufinden hätte, darüber
würde bei geringer Nachgiebigkeit von beiden Seiten leicht ein
Einvernehmen zu erzielen sein. Selbstverständlich dürfen sich
die Deutschen von den Magyaren eben so wenig wie von den
Russen den Zugang zu den vielversprechenden, dünn bevölkerten
Ländern des Orients versperren lassen. Die Magyaren sind
zudem nicht im Stande, diese weiten Länverstrecken zu bevölkern,
ihre Bodenschätze zu heben, sie politisch und wirthschaftlich zu
beherrschen; das kann nur eine so große und so stark sich ver-
mehrende Station wie die deutsche. Im wohlverstandenen eigenen
Interesse der Ungarn würde es liegen, die auf den Orient ge-
richteten Bestrebungen der Deutschen nach Kräften zu fördern
und zu unterstützen, denn dann würde ihnen dereinst ein über-
reichlicher Antheil zufallen an den Schätzen, welche im Osten
der habenden Hände harren.
Die Erweiterung des deutschen Wirthschaftsgebietes in der
Richtung nach Osten wird schwerlich anders gelingen als durch
eine dauernde politische und wirthschaftliche Einigung
Mischen dem Deutschen Reiche ünd der Habsburgischen Monarchie.
Eine politische Vereinbarung ist durch das Bündniß vom 7.
Oktober 1879 bereits erfolgt, ein enger wirthschaftlicher Verband
zwischen beiden Reichen, welcher unzweifelhaft eine Erweiterung
"nd Befestigung der bestehenden politischen Freundsckaft im
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