Full text: Russlands Bankerott

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Duma und 
französische 
Stündever- 
sammlung 
Witte und der 
Tschin 
Die Revolu 
tion und die 
Finanzen 
der Staatsmaschine, das vom Kaisertum sich zu 
emanzipieren sucht. 
Die Widerstände, die sich den politischen 
Bewegungen entgegensetzen, sind für ihren Weg 
viel mehr bestimmend als die in ihr treibenden 
Tendenzen. Die französische Ständeversammlung 
war von loyalstem Geiste durchdrungen. Sie 
wurde erst durch den Widerstand des Adels, 
der für seine Privilegien fürchtete, offen 
frondierte und insgeheim den König gegen den 
tiers etat einzunehmen trachtete, den radikalsten 
Elementen in die Arme getrieben. Der Monarch, 
der die Versammlung einberufen hatte, uni 
Schutz gegen die Abgabenverweigerung des Adels 
zu suchen, wurde mit diesem verschlungen, als 
er sich von Adel und Geistlichkeit zu Schritten 
hinreißen ließ, die dem Einberusungzweck zu 
widerliefen. 
Liegen nicht ganz ähnlich die Dinge in 
Rußland? Die Duma ist von Witte als 
Mittel gedacht, um den Herrscher aus den 
Händen des Tschin zu befreien und um Geld 
zu beschaffen, das mit dem alten System nicht 
mehr zu erlangen ist. Der Zar gibt augen 
blicklich allen Akten, die der — ihm innerlich 
doch verhaßte — Mann aufsetzt, seine Unter 
schrift. Aber der Tschin wehrt sich verzweifelt, 
die Großfürsten rüsten. Wird der schwache Zar 
dem Drängen der mephistophelischen Kräfte 
standhalten können? Ein einziger Schritt von 
der geraden Linie fort, und die Herrschaft der 
Romanows ist gewesen. Noch niemals war 
eine revolutionäre Bewegung so organisiert. 
In keiner Revolution waren noch je Tendenzen 
und Forderungen so präzis formuliert. Ein 
Volk, das Bahnen still stehen, Telegraphen 
außer Betrieb setzen kann, ist nicht mit teil 
weiser Gewährung gegebener Versprechungen zu 
befriedigen. 
Der Staatsgläubiger kann für sich nur 
zwei Möglichkeiten sehen: Entweder es folgt 
dem jetzigen Sturm ein jahrelanges Ringen, 
so muß die Notenpresse weiter, wie bisher.
	        
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