Full text : Schutz dem Arbeiter!

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Neben  dem  weitern  Ausbau  der  Arbeiter-Versicherungsgesetzgebnng
sind  die  bestehenden  Vorschriften  der  Gewerbeordnung  über  die  Verhältnisse ­
  der  Fabrikarbeiter  einer  Prüfung  zu  unterziehen,  um  den  ans
diesem  Gebiete  laut  gewordenen  Klagen  und  Wünschen,  soweit  sie  begründet ­
  sind,  gerecht  zu  werden.
Diese  Prüfung  hat  davon  auszugehen,  daß  es  eine  der  Aufgaben
der  Staatsgewalt  ist,  die  Zeit,  die  Dauer  und  die  Art  der  Arbeit  so
zu  regeln,  daß  die  Erhaltung  der  Gesundheit,  die  Gebote  der  Sittlichkeit, ­
  die  wirthschaftlichen  Bedürfnisse  der  Arbeiter  und  ihr  Anspruch  auf
gesetzliche  Gleichberechtigung  gewahrt  bleiben.
Für  die  Pflege  des  Friedens  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern ­
  sind  gesetzliche  Bestimmungen  über  die  Formen  in  Aussicht  zu
nehmen,  in  denen  die  Arbeiter  durch  Vertreter,  welche  ihr  Vertrauen
besitzen,  an  der  Regelung  gemeinsamer  Angelegenheiten  betheiligt  und
zur  Wahrnehmung  ihrer  Interessen  bei  Verhandlung  mit  den  Arbeitgebern ­
  und  mit  den  Organen  Meiner  Regierung  befähigt  werden.  Durch
eine  solche  Einrichtung  ist  den  Arbeitern  der  freie  und  friedliche  Ausdruck ­
  ihrer  Wünsche  und  Beschwerden  zu  ermöglichen  und  den  Staatsbehörden ­
  Gelegenheit  zu  geben,  sich  über  die  Verhältnisse  der  Arbeiter
fortlaufend  zu  unterrichten  und  mit  den  letztern  Fühlung  zu  behalten.
Die  staatlichen  Bergwerke  wünsche  Ich  bezüglich  der  Fürsorge  für
die  Arbeiter  zu  Musteranstalten  entwickelt  zu  sehen,  und  für  den  Privatbergbau ­
  erstrebe  Ich  die  Herstellung  eines  organischen  Verhältnisses
Meiner  Bergbeamten  zu  den  Betrieben,  behufs  einer  der  Stellung  der
Fabrik-Jnspectiouen  entsprechenden  Aussicht,  wie  sie  bis  zum  Jahre  I860
bestanden  hat.
Zur  Vorberathung  dieser  Fragen  will  Ich,  daß  der  Staatsrath
unter  Meinem  Vorsitz  und  unter  Zuziehung  derjenigen  sachkundigen  Personen
zusammentrete,  welche  Ich  dazu  berufen  werde.  Die  Auswahl  der  letzteren ­
  behalte  Ich  Meiner  Bestimmung  vor.
Unter  den  Schwierigkeiten,  welche  der  Ordnung  der  Arbeiter-Verhältnisse ­
  in  dem  von  Mir  beabsichtigten  Sinne  entgegenstehen,  nehmen
diejenigen,  welche  aus  der  Nothwendigkeit  der  Schonung  der  heimischen
Industrie  in  ihrem  Wettbewerb  mit  dem  Auslande  sich  ergeben,  eine  hervorragende ­
  Stelle  ein.  Ich  habe  daher  den  Reichskanzler  angewiesen,
bei  den  Regierungen  der  Staaten,  deren  Industrie  mit  der  nnserigen
den  Weltmarkt  beherrscht,  den  Zusammentritt  einer  Conferenz  anzuregen,
um  die  Herbeiführung  gleichmäßiger  internationaler  Regelungen  der
Grenzen  für  die  Anforderungen  anzustreben,  welche  an  die  Thätigkeit  der
Arbeiter  gestellt  werden  dürfen.  Der  Reichskanzler  wird  Ihnen  Abschrift ­
  Meines  an  ihn  gerichteten  Erlasses  mittheilen.
Berlin,  den  4.  Februar  1890.
Wilhelm  R.
An  die  Minister  der  öffentlichen  Arbeiten
und  für  Handel  und  Gewerbe.
            
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