Full text : Schutz dem Arbeiter!

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In  Zusammenfassung  unserer  bisherigen  Darlegungen  ergibt  sich:
der  Maximal-Arbeitstag  ist  eine  Forderung  der  Hygiene.  Der  zweite
internationale  hygienische  Congreß  in  Wien  gab  derselben  in  folgender
Resolution  Ausdruck:
Die  Gesundheit  der  erwachsenen  Männer  leidet  durch  eine  Übermäßig  lange
Arbeitszeit,  sowie  durch  Nachtarbeit  Beide  üben  auch  einen  nachtheiligen  Einfluß  aus
Moralität  und  Intelligenz  des  Arbeiters  aus.  Erfahrungsgemäß  vermag  M
dieser  nur  selten  gegen  eine  solche  Beanspruchung  zu  wehren,  und  es  liegt  deshalb  in  der
Aufgabe  des  um  die  Erhaltung  einer  tüchtigen  Bevölkerung  besorgten  Staates,  durch  die
Gesetzgebung  vorzubeugen.  Den  gegenwärtigen  Verhältnissen  dürfte  bei  unvermeidlicher
Tag-  und  Nacht-Arbeit,  die  Einführung  eines  Schichtenwechsels  vorausgesetzt,  ein  Maximal-Arbeitstag
  von  10  bis  11  Stunden  genügen.  Die  Festsetzung  einer  Normal-Arbeitszeit'
welche  der  Gesundheit  der  Arbeiter  entspricht,  hat  den  Gegenstand  internationaler
Vereinbarung  zu  bilden.  —  Die  Beschränkung  der  Arbeitszeit  Erwachsener  erheischt
die  Möglichkeit  von  Ausnahmen,  deren  Gestattung,  namentlich  hinsichtlich  der  Anwendung
gleicher  Grundsätze,  genau  zu  controlireu  ist.
Der  Maximal-Arbeitstag  ist  zweitens  eine  Forderung  der  Cultur:
daß  auch  der  Arbeiter  der  Wohlthaten  der  Fortschritte  der  Maschi'
nerie  und  Technik  —  durch  eine  Entlastung  bezüglich  der  Arbeitszeit-^
mehr  wie  bisher  sich  erfreue;  daß  auch  dem  Arbeiter  —  entsprechend
der  allgemeinen  Schulbildung  und  dem  allgemeinen  Stimmrecht  —  rs
mehr  ermöglicht  werde,  theilzunehmen  an  dem  geistigen  Leben  der  Zeii-Der
  Maximal-Arbeitstag  ist  aber  vor  allem  eine  Forderung  im  Interesse
des  Familienlebens.  Wo  bleibt  das  Familienleben,  wenn  der  Ar-'
beiter  von  Morgens  früh  bis  Abends  spät  dem  Heim  fern  ist,  seine
Kinder  kaum  zu  sehen  bekommt?  Selbst  bei  elfstündiger  Arbeit  —  uw
gerechnet  die  Pausen,  ungerechnet  den  Weg  von  und  zu  der  Fabrik  ""
ist  an  eine  Kindererziehung  kaum  zu  denken;  wieviel  weniger  dann  aber
bei  12  und  13  Stunden.  „Davon  aber"  —  heben  die  Motive  z"
dem  Arbeiterschutz-Gesetzentwurf  der  Schweiz  mit  Recht  hervor  —
dem  Arbeiter  auch  noch  Zeit  und  Stimmung  bleibt,  den
Kindern  ein  Erzieher,  der  Familie  Haupt  und  Stütze  zu  sein,  häuch
größtentheils  auch  der  Segen  ab,  welchen  die  Fabriken  dem  Lande
bringen."  Dem  Arbeiter  muß  wieder  der  Feierabend  gesichert  seiw
Gelegenheit  gegeben  sein,  sich  der  Familie  zu  freuen  —  dann  wird  ei
auch  wieder  Liebe  und  Sinn  für  das  Familienleben  gewinnen;  dann  wird  #
auch  wieder  Werth  legen  auf  ein  gemüthliches,  womöglich  eigenes  Heim-Wenn
  unser  Bergarbeiter  st  a  nd,  welcher  im  allgemeinen  b#
kürzesten  Arbeitszeit  sich  erfreut,  sich  auch  stets  durch  soliden,  häuslich^
Sinn,  durch  das  Streben,  sich  (durch  Erwerb  eines  eigenen  Häuschen^
mit  Garten)  ansässig  zu  machen,  durch  Sparsamkeit  und  Fleiß  und  cow
servative  Gesinnung  ausgezeichnet  hat,  so  ist  das  ein  berechtigter  Maß'
stab  auch  für  die  sittliche  Würdigung  des  Maximal-Arbeitstages.
            
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