44
feillieit“ erstaunen, so könnten sie allerdings auch mit ihren
't Preisen herahgehen, gleichwie sie früher bei derselben Gelegenheit
' mit ihren Preisen hinaufgingen. Es liegt aber in der Natur
j der Sache, dass sie dies nur schwer und ungern thun werden,
wahrscheinlich nicht mit jener Raschheit, mit der sie sich
früher der Preissteigerung accomodirten. Der Vortheil des
Arbeiters wird also für längere Zeit trotz des im V esen
erhöhten Lohnes ein verschwindend geringer sein und dies kann
insüferne auch dem Producenten nicht gleichgiltig bleiben, als
die im grossen Ganzen gleichbleibende Lage des Arbeiter
standes ihn der j\löglichkeit berauben muss, die Löhne nun
mehr in derselben Weise herabzusetzen, wie er sie trüber,
gedrängt durch die beginnende Noth seiner Arbeiter, herauf
setzen musste.
Allerdings wird die Entscheidung dieser Frage, ob näm
lich eine Erhöhung odhr Herabsetzung des Lohnes sich je nach
der wechelnden Conjunctur rascher vollziehen lässt, zunächst
von dem Verhältnisse des Angebots und der Nachfrage von
Arbeit abhängen. 1st nämlich in einem Lande das Angebot
von Arbeitskräften sehr gross, dann wird der Unternehmer
bei einer für ihn nachtheiligen Conjunctur sehr rasch, auch
ohne Rücksicht auf die Lage seiner Arbeiter, eine Lohnreduc-
tion erzielen können, und dies wird dann wohl auch im Klein
verkehre eine verhältnissmäsig rasche Ermässigung der I’reise
herbeiführen. Wenn aber umgekehrt die Nachfrage nach Ar
beitskraft grösser ist als das Angebot, so wird der Unter
nehmer auch bei ungünstiger Conjunctur den höheren Lohn so
lange ertragen müssen, bis nicht die schliesslich doch eintre
tende Preisermässigung im Kleinverkehr die Lohnerliöliung
zum Bewusstsein des Arbeiters bringt, dessen Lebensstellung
verbessert und dadurch eine Vermehrung des Arbeiterangebots
herbeiführt. Im erste reu Falle wird der Gewinn des Unter
nehmers aus der steigenden Conjunctur grösser, sein Verlust
aus der sinkenden geringer sein; im letzteren Falle aber wird
das Umgekehrte eintreten.
Speciell in Oesterreich scheint, wie sich später ergeben
wird, das Verhältniss zwischen Angebot und Nachfrage ziem
lich dauernd zu Gunsten des Arbeiterstandes zu sein, denn