Full text : Schutz dem Arbeiter!

währen.  Die  Höhe  derselben  wird  von  dem  ständigen  Ausschuß  bestimmt,  und  ist  aus  dem
Budget  der  Provinz  zu  bestreiten.
Leider  steht  das  Gesetz  bloß  auf  dem  Papier.  Jedenfalls  bedarf
es,  um  den  Widerstand,  den  solche  „Neuerungen"  in  den  Vorurtheilen
der  herrschenden  Klassen  wie  der  Bureaukratie  finden,  zu  überwinden,  in
Belgien  vielleicht  mehr  noch  wie  in  andern  Staaten,  einer  starken,
zielbewußten  Ceil  trat  -Ve  r  walrun  g,  der  gesetzlich  das  Recht  zustehen
muß,  solche  Einrichtungen  obligatorisch  zu  machen.
Die  Thätigkeit  im  engern  Bezirke  ist  zunächst  die  dankbarste  und
wichtigste.  Mit  der  Zeit  und  den  Bedürfnissen  werden  sich  die  Auf'
gaben  erweitern.  Auch  g  es  etzgeb  er  is  che  Vorlagen  werden  dann  ihrer
Begutachtung  zu  unterbreiten  sein;  ihre  Erfahrungen  und  Reform-Vorschläge ­
  für  bestehende  Gesetze  und  öffentliche  Einrichtungen  können  eingeholt ­
  werden;  für  Enqueten  und  statistische  Erhebungen  können
in  Anspruch  genommen  werden  rc.  Namentlich  das  Gebiet  der  Ar"
beiterstatiftik,  der  Klarstellung  der  Arbeiter-Verhältnisse
überhaupt  (Arbeitslöhne,  Arbeitszeit,  Lehrlingswesen,  Wohnungsverhält"
nisse,  Mortalitäts.  und  Morbiditäts-Verhältnisse  rc.)  ist  noch  so  wenig
bebaut,  daß  hier  die  Arbeitskammern  sich  das  größte  Verdienst  erwerben
können.  Vielleicht  würden  sie  regelmäßige  Berichte  —  in  gleicher
Weise  wie  die  Handelskammern  —  veröffentlichen,  vielleicht  auch  ei»).'
geschulte  Kraft  (Secretair)  anstellen;  vielleicht  ließe  sich  auch  die  Fabrik"
Inspection  in  irgend  eine  organische  Verbindung  mit  den  Arbeits"
Kammern  bringen,  —  jedenfalls  würden  sich  die  Fabrik-JnspectoreN
als  die  besten  Berather  der  Arbeitskammern  erweisen.  So  ist  nach
allen  Richtungen  hin  Raum  zur  weitern  Entwickelung  geboten.  /
Die  socialdemokratische  Partei  nennt  sich  die  „Arbeiter-Partei
—  als  ob  sie  allein  zur  Vertretung  der  Arbeiter-Interessen  berufen  oder
legitimirt  sei.  Es  ist  eine  —  Anmaßung,  aber  es  bringt  der  Partei
die  vielen  Stimmen  ein.  Man  gebe  den  Arbeitern  das  Recht,  aus
ihren  eigenen  Reiheil  Vertreter  zu  wählen,  man  lenke  diese  auf  nächste
praktische  Ziele  —  das  ist  auch  hier  die  beste  Bekämpfung  der  Social"
demokratie.  Die  „starke"  und  die  „schivache"  Seite  des  deutschen  Volkes  war
von  jeher  und  ist  noch  einerseits  der  Idealismus,  anderseits  der
Particularismus.  Die  Socialdemokratie  stellt  sich  als  ein  einseitiger,
überspannter,  auf  das  Allgemeine  gerichteter,  abstracter  Idealismus  dar,
der  auf  wirihschaftlichem  Gebiete  am  wenigsten  angebracht  ist;  wohlaU,
man  zwinge  den  Arbeiter  wieder  auf  nächste,  praktische  Ziele,  gebe  ihw
Gelegenheit,  in  nächster  Umgebung  seine  ideale  Richtung  zu  bethätiget
erwecke  und  gebe  Nahrung  dem  Particularismus  —  das  ist  dw
beste  Heilung  von  einseitigem  Idealismus.  Nicht  wir,  sondern  —■  ett1
            
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