Full text: Schutz dem Arbeiter!

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3hi England wurden nach einem Bericht des Arbeiter-Correspondenten Burnett 
pro 1888 509 Ausstände gezählt, jedoch „meist von geringer Dauer". Dieses Jahr 
wies eine Steigerung der gewerblichen Entwickelung auf, und „zeigten die zahlreichen 
Ausstände, daß die Arbeiter wohl begriffen, ihre Leistungen hätten einen höhern Werth." 
Bei 320 Strikes (62°/o) war die Forderung höherer Löhne die Ursache; von diesen 320 
Strife» sind 175 erfolgreich für die Arbeiter gewesen. Bon 54 Strikes jedoch, welche bc- 
zwcckten, Lohnreductionen abzuwenden, waren nur 12 von Erfolg. Die größte Zahl dieser 
Erfolge ist von den Grubenarbeitern in den Kohlenzechen erstritten. Es haben in dieser 
Industrie zahlreiche einzelne Ausstünde stattgefunden, welche aber meistens nur kurze Dauer 
hatten und durch gegenseitige Aussprache und Verhandlung beigelegt wurden. 66 Strikes 
imran verursacht durch Unzufriedenheit der Arbeiter mit den Arbeitsbedingungen, mit der 
Arbeitszeit und mit dem ihnen zur Verarbeitung überwiesenen Material; 22 Strikes 
bezogen sich auf Aenderung der Arbeits- und Wohnungsbedingungen; 10 hatten von Seite" 
der Arbeiter die Einführung oder Vertheidigung von Bestimmungen der betreffenden Trade 
Unions als Ursache; 15 Strikes gingen aus Unzufriedenheit mit den Unterbeamten hervor; 
6 Strikes bezweckten die Wiedereinstellung entlassener Arbeiter. („Berichte" S. 52.) 
Die nähern einzelnen Mittheilungen sind lückenhaft. So wird berichtet, daß durch 
328 Ausstände 109951 Arbeiter betroffen wurden, welche durchschnittlich einen Lohnverlust 
von 8 L. 6 Sch. L P. — 72'/% At. erlitten, zusammen 865 587 L. — 7 311 740 ķ- 
Burnett hat nun versucht, festzustellen, wie weit durch die Gewerkvereine eine Entschädigung 
bzw. eine Unterstützung der Ausständischen stattgefunden hat. Bon 104 Vereinen, welche 
seine Anfragen beantworteten, gaben 39 ihre Ausgaben in dieser Hinsicht auf 32 729 & 
— 654 580 M. an. Es war hier besonders empfindlich, daß die Angaben nicht voll' 
ständig waren; denn man kann den thatsächlichen Verlust der Arbeiter an Lohn in Folge 
dessen nicht feststellen. Noch schwieriger ist es, den Verlust der Arbeitgeber zu umgrenzcn- 
123 Arbeitgeber berechneten den Werth des Capitals, welches in ihren Geschäften steckte 
und durch den Ausstand zinslos wurde, auf 6 Mill. L. — 120 Mill. Mark. Diese Ab 
schätzung gibt ungefähr einen Maßstab für die Gefahr. 
Von den 509 Ausstünden endeten 249 mit einem Siege der Arbeiter, welche außerdem 
in 94 einen theilweisen Erfolg hatten und in 116 unterlagen. Von 50 Arbeitseinstellungen 
kennt man das Ergebniß nicht. Beendigt wurden 3 32 durch Ausgleich (conciliation)' 
15 durch schiedsgerichtliche Entscheidung. In 85 Fällen gaben die Arbeiter 
nach, in 23 wurden an ihrer Stelle von den Geschäfts-Eigenthümern neue „Hände" ange' 
nominen. Der Nest wurde durch Vermischung der bisher genannten Endarten zum Schlust 
gebracht. Thatsächlich entschied bei 108 Ausständen die Macht. 
In Frankreich sind nach einer Enquête des statistischen Bureau's in Paris in der 
Zeit von 1874—1885 nlit Ausschluß des Jahres 1881 insgesammt 804 bezw. 815 Ar 
beiter-Ausstände vorgekommen, von denen 44 % durch Forderung höherer Löhne, 22 V 
durch Lohnverminderungen, 11% durch verschiedene Beschwerden über die Arbeitsbedingungen' 
5.s °li, durch Forderungen auf Herabsetzung der Arbeitszeit und 17£ °/o durch andere Um 
stände veranlaßt waren. In 27 °/o der untersuchten Fällen haben die Arbeiter gesiegt' 
während 57 °/o mit einem Mißerfolg abschlössen und 16 °/o durch gegenseitige Zugeständ 
nisse beigelegt wurden. 
Das Jahr 1886 wies 161, 1887 108 Arbeitseinstellungen auf. Die 161 resp. 
Strikes dauerten 1787 resp. 732 Tage, umfaßten 19556 resp. 10117 Arbeiter und ließet 
445 974 resp. 87 803 Arbeitstage verloren gehen. Hauptsächlich betheiligt waren ^ 
bic Weber (1886 bei 64 Strikes), weil die Lohnverhältnisse hier gegenüber andern 2% 
dustrien ungünstiger liegen. Die Ursachen der Streitigkeiten waren 1886 resp. 1887 # 
123 resp. <7 Fällen Lohnstreitigkeiten, und zwar bildeten 1886 in 60 Fällen Lohn-
	        
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