Full text : Schutz dem Arbeiter!

gebnissen  zu  kommen.  Alle  waren  von  der  Ueberzeugung  durchdrungen,
daß  die  Conferenz  einen  mächtigen  Impuls  für  die  Bestrebuugeu  des
Arbeiterschutzes  bieten  werde,  und  jedenfalls  diese—  nicht  die  letzte  sein
dürfe.  Alle  waren  in  gleicher  Weise  erfreut  und  überrascht  über  den
glücklichen  Verlauf,  und  wenn  sie  bindende  Beschlüsse  zu  fassen  auch
nicht  berechtigt  waren,  so  waren  doch  alle  des  zuversichtlichen  Vertrauens,
daß  die  einzelnen  Regierungen  sich  der  moralischen  Verpflichtung,
den  gutachtlichen  Aeußerungen  ihrer  Delegirten  Ausnahme  in  ihre  Gesetz'
gebung  zu  geben,  nicht  entziehen  könnten.  Das  Resultat  der  Berathungen
konnte  Freiherr  von  Berlepsch  in  seiner  Schlußrede  dahin  zusammenfassen:
„Meine  Herren!  Unsere  Arbeit  ist  beendet,  heute  noch  trennen  sich  die  Mitglieder  der
»internationalen  Conferenz  zur  Regelung  rer  Arbeit  in  den  industriellen  Etablissements
und  in  den  Bergwerken«.  Da  liegt  wohl  für  jeoen  Einzelnen  von  uns  die  Frage  nahe,
ob  die  angestrengte,  gewissenhafte  Arbeit,  der  wir  uns  14  Tage  lang  hingegeben
haben,  ob  der  Austausch  der  Meinungen,  die  freundschaftlichen  Beziehungen,
die  wir  zu  einander  gewonnen  haben,  verloren  sein  oder  ob  sie  dauernde  Früchte
tragen  werden.  Wir  sind  nicht  in  der  Lage,  eine  bestimmte  Antwort  auf  diese  Frage  zu
geben,  denn  wir  waren  nicht  berufen,  internationale  Vereinbarungen  über  das  uns  vorgelegte ­
  Programm  zu  treffen,  sondern  nur  Gutachten  und  Wünsche  zu  formuliren,  die
der  Erwägung  der  hohen  Regierungen,  welche  ihre  Delegirten  hierher  sandten,  unterliegen
werden.  Wohl  aber  sind  wir  in  der  Lage,  die  Frage  zu  beantworten,  ob  wir
glauben,  eine  Grundlage  gefunden  zu  haben,  auf  welcher  der  Gedanke,
der  arbeitenden  Klasse  in  den  industriellen  Staaien  Europa's  einen  erhöhten  Schutz,
eine  größere  Sicherung  ihrer  materiellen,  physischen,  moralischen  und
intellectuellen  Kräfte  zu  gewähren,  fortleben  und  weiter  ausgestaltet  werden
kann.  Ich  scheue  mich  nicht,  meine  Herren,  diese  Frage  in  Ihrem  Namen  zu  bejahen-So
  groß  uns  Allen  zunächst  die  Schwierigkeiten  erschienen,  die  Frage  des  Schutzes  der
Arbeit  durch  ihre  Beschränkung  nach  Art,  Zeit  und  Dauer  auch  nur  von  einem  einheitlichen
Gesichtspunkt  aus  zu  betrachten,  so  sicher  sind  wir  zu  dein  Resultat  gelangt,  daß  es
einheitliche  internationale  Gesichtspunkte  gibt,  nach  denen  die  Lösung  dieser
Frage  von  den  Regierungen  der  einzelnen  Länder  in's  Auge  gefaßt  werden  kann,  welche
die  eigenthümlichen  Verhältnisse  ihres  Landes  zu  berücksichtigen  haben  werden.  Diese  gewonnenen ­
  Gesichtspunkte  lassen  sich  meines  Erachtens  dahin  zusammenfassen,  daß  es  für
dasjenige,  was  die  Gesetzgebung  oder  die  Sitten  eines  jeden  Landes  der  arbeitenden  Klasse
gewähren  sollten,  nur  eine  Grenze  gibt,  nämlich  die  Sicherheit  der  Existenz  und
das  Gedeihen  der  Industrie,  von  dem  auch  das  Gedeihen  der  arbeitenden  Klasse  abhängig ­
  ist.
Ich  meine,  daß.  wenn  wir  uns  in  der  Ueberzeugung  trennen  können,  daß  dieser  Satz
immer  mehr  Wahrheit  werden  wird,  wir  mit  Befriedigung  auf  unsere  gemeinsame  Arbeit
zurückblicken  können.  Wir  werden  sie  mit  gutem  Gewissen  den  hohen  Regierungen,  die  uns
delegirten,  vorlegen,  deren  Erwägungen  es  vorbehalten  bleibt,  welche  Folgen  sie  derselben
geben  wollen.
Zu  meiner  hohen  Freude  aber  darf  ich  es  Ihnen,  meine  Herren,  schon  heute  aussprechen, ­
  daß  Se.  Majestät  der  Kaiser,  mein  Allergnädigster  Herr,  dessen  Einladung  zur
Conferenz  Ihre  hohen  Regierungen  in  so  entgegenkommender  Weise  gefolgt  sind,  mich  beauftragt ­
  hat,  Ihnen  seinen  wärmsten  Dank  auszusprechen  für  die  sachkundige,
eingehende  und  erfolgreiche  Arbeit,  mit  welcher  Jeder  von  Ihnen  an  den  Ver-
            
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