Full text : Schutz dem Arbeiter!

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human  ist  es  nur,  wenn  man  bloß  die  wirthschaftliche,  productive
Seite  der  „Arbeit"  in  Betracht  zieht  und  den  „Arbeiter",  die  Persönlichkeit, ­
  den  Träger  der  Arbeitskraft  vergißt.
Der  Arbeiter  hat  nichts  als  seine  Arbeitskraft;  der  Arbeitslohn  ist
die  wirthschaftliche  Grundlage  seiner  Existenz,  seines  ganzen  persönlichen
und  sittlichen  Lebens.  Der  Arbeiter  ist  meistens  auf  sein  Tagesverdienst ­
  angewiesen.  So  ist  das  persönliche  Wohl  und  Wehe  des  einen
Contrahenten  im  Arbeits-Verträge  dringlicher  in  Frage  gestellt,
wie  in  jedem  andern  Tausch-  oder  Kaus-Geschäft;  das  ist  der  erste
Unterschied  des  Arbeits-Vertrages  von  jedem  andern  Kauf-Vertrage.
Der  Arbeiter  befindet  sich  in  der  Lage  eines  Kaufmannes,  der  seine  Waare
zu  jedem  Preise  losschlagen  muß.  Der  Käufer  weiß  das,  und  so  ist  die
Gefahr  wucherischer  Ausbeutung,  des  Mißbrauches  der  Macht  nicht
ausgeschlossen.
Die  Lage  des  Arbeiters  ist  um  so  ungünstiger,  als  auf  dem  „ArbeitsMarkt" ­
  das  Angebot  fast  stets  größer  ist  wie  die  Nachfrage.
Ist  auf  dem  Waarenmarkt  die  Nachfrage  größer  als  das  Angebot,  so
steigt  der  Preis  der  Producte  und  es  vergrößert  sich  der  Gewinn  des
Unternehmers;  ist  aber  umgekehrt  das  Angebot  größer  als  die  Nachfrage,
so  sinkt  der  Preis  bis  auf  und  vielleicht  bis  unter  die  Prodnctionskvsten.
  In  letzterer  Lage  befindet  sich  nun  meistens  der  Arbeiter;  selten
kommt  er  über  die  Producti  ons  kosten  —  den  Lebens-Unterhalt
—  hinaus.
Was  aus  dem  Waaren-Markte  die  „Ueber-Production",  das  ist
auf  dem  Arbeits-Markt  die  sogenannte  „Uebervölkerung".  Die  Ueber-Prodnction
  ans  dem  Waaren-Markte  findet  schnell  ihre  Correctur  in  der
Selbstbeschrankung  der  Unternehmer.  Sobald  die  Production
„unproductiv"  wird,  keinen  Gewinn  mehr  abwirft,  wird  die  Production
eingeschränkt;  dagegen  sind  Familiensinn  und  Fortpflanzungstrieb  so
stark,  daß  die  Bevölkerung  progressiv  steigt,  ohne  Rücksicht  darauf,  ob
noch  Platz  respective  Verwendung  aus  dem  Arbeits-Markt  ist,  ob  die
Productionskosten  gedeckt  werden  oder  nicht.  Das  Resultat  ist  das
sogenannte  „eherne  Lohngesetz",  welches  Ricardo  zuerst  aufgestellt  und
Lassalle  dann  agitatorisch  ausgebeutet  hat:  daß  unter  den  heutigen  Verhältnissen ­
  von  Angebot  und  Nachfrage  der  durchschnittliche  Arbeitslohn ­
  immer  auf  den  nothwendigen  Leb  ensunterhalt  redncirt
bleibt,  der  in  einem  Volke  gewohnheitsmäßig  zur  Fristung
der  Existenz  und  zur  Fortpflanzung  erforderlich  ist.  „Dies  ist
der  Punkt,  um  welchen  der  wirkliche  Tagelohn  in  Pendelschwingungen  jeder
Zeit  herum  gravitirt,  ohne  sich  jemals  lange  weder  über  denselben  erheben, ­
  noch  unter  denselben  herunterfallen  zu  können.  Er  kann  sich  nicht
            
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