Full text : Schutz dem Arbeiter!

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wissen  —  und  der  sogenannte  Centralverband  deutscher  Industrieller
machte  sich  ohne  Weiteres  zum  Anwalt  sächsischer  Jnteressen-Politik').
Die  Gründe,  welche  gegen  die  Beschäftigung  der  Kinder  in  Fabriken ­
  sprechen,  liegen  aus  der  Hand.  Es  ist  zunächst  die  Rücksicht  auf
die  Gesundheit.  Der  Staub  in  den  Cigarren-Fabriken,  Spinnereien  re.,
die  Anstrengung  der  Augen  z.  B.  in  den  Stickereien,  die  Einseitigkeit
der  Muskel-Anstrengung,  der  Körperhaltung  bei  der  Arbeit,  die  mechanische, ­
  intensive  und  einseitige  Anspannung  der  Aufmerksamkeit,  der  Aufenthalt ­
  in  oft  schlecht  ventilirten,  bald  überheiszeu.  bald  kalten  Räumen,
überfüllt  mit  Arbeitsmaterial,  Maschinen  und  Menschen  rc.  kann  unmöglich ­
  auf  den  noch  zarten,  in  der  Entwickelung  begriffenen  Organismus ­
  gut  einwirken.  Wenn  auch  die  landwirthschaftliche  Thätigkeit  oft
schwerer,  anstrengender  ist:  schon  das  äußere  Aussehen  beweist,  wie  die
abwechselungsvolle  Arbeit  und  Bewegung  draußen  in  Gottes  freier  Natur
der  Gesundheit  förderlich  ist,  während  in  der  Fabrikluft  Geist  und  Körper
verkümmern.
„In  allen  Industrie-Ländern"  —  so  konnte  Dr.  Schuler,  der
hochverdiente  Vorkämpfer  der  Arbeiterschutz-Gesetzgebuug  der  Schweiz,
dessen  Competenz  als  langjähriger  Fabrik-Juspector  und  Arzt  allgemein
anerkannt  ist,  in  seinem  Referat  über  Fabrik-Hygiene  und  Fabrik-Gesetzgebung ­
  für  den  VI.  internationalen  Congreß  für  Hygiene  und
Demographie  zu  Wien  1887  constatiren  —  läßt  sich  der  „Nachweis
erbringen,  wie  die  schädlichen  Einflüsse  der  Industrie  bei  den  jugendlichen ­
  Arbeitern  mehr  zu  Tage  treten,  als  bei  den  Erwachsenen."
„Am  meisten  springen  die  Folgen  der  Haltung  oder  einseitigen  Muskelthätigkeit
  in  die  Augen.  Scoliosen  bei  Kindern,  die  in  stets  vorgebeugter  Haltung  arbeiten
müssen,  wie  die  Fädlcr  in  Stickereien,  kommen  ungemein  häufig  zur  Beobachtung.  Knaben
von  14  bis  15  Jahren,  die  schon  als  Maschinensticker  arbeiten,  sind  nach  kurzer  Zeit
durch  ihren  asymetrischen  Brustkorb  als  solche  zu  erkennen.  Junge  Leute,  die  schon  all
zu  früh  mit  Feile  und  Raspel  zu  arbeiten  hatten,  sind  durch  ihre  hohe  Schulter  gekennzeichnet. ­
  Ganz  außerordentlich  scheinen  die  Augen  der  Kinder  bei  gewissen  Fabrikarbeiten
zu  leiden.  Die  Schul-Dircctoren  von  Plauen  berichten  in  Uebereinstimmung  mit  Dr.
Buschbeck's  Untersuchungen,  das;  die  Kinder  kaum  eine  halbe  Seite  lesen  können,  ohne  daß
ihnen  die  Augen  übergehen,  wenn  sie  den  Tag  durch  zuin  Fädeln  angehalten  werden  *).  Der
D  Erfreulich  ist.  daß  die  Lüdenschcider  Handelskammer,  welche  vor  einigen  Jahren
noch  in  heftiger  Fehde  mit  dem  Fabrik-Juspector  bezüglich  der  Frage  der  Kinderbeschäftigung
stand,  in  ihrer  Eingabe  an  den  Deutschen  Reichstag  (1887)  wohl  die  Beschlüsse  der  Reichstags-Commission ­
  bezüglich  der  Frauenarbeit,  aber  nicht  die  bezüglich  der  Kinderarbeit ­
  bekämpfte.
2)  „In  den  Oberklassen  der  Bezirksschulen  nimmt  die  Zahl  der  Kurzsichtigen  zu.  unv
diese  liicht  ivegzuleuguendc  Thatsache  ist  sicher  nur  auf  den  Unistand  zurückzuführen,  dag
die  Kinder  zu  frühzeitig  und  zu  anhaltend  ihre  Augen  bei  der  Arbeit  ailstrengen  müssen.
Außerdem  kümmert  sich  Niemand  um  die  Körperhaltung;  die  Kinder  sitzen  da,  tief  über
die  Arbeit  gebeugt,  und  schädigen  dadurch  das  Auge,  so  daß  Kurzsichtigkeit  eintreten  muß-Biele
  dieser  Kinder  sind  z.  B.  nicht  im  Stande,  eine  halbe  Seite  im  Lesebuche  zu  lesen,
ohne  daß  ihnen  die  Augen  übergehen."  (Gutachten  der  Lehrer  in  Plauen  i.  B.,  mitge-
            
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