Full text: Schutz dem Arbeiter!

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als in Schlesien der Verdienst der Männer so gering, weil das An 
gebot groß ist. 
Die Berichte unserer Fabriken-Jnspectvren pro 1886 führen noch 
zahlreiche Beispiele die Gesundheit und Sittlichkeit gefährdender Beschäf 
tigung auf. So werden die bei der Cement- und Kalk-Industrie 
in den Kreisen Oppeln und Groß-Strehlitz (mit 677 Arbeiterinnen) vor 
kommenden Arbeiten (besonders die Verpackungsarbeiten) wegen der Staub' 
entwi ckelun g bedenklich gefunden; desgleichen (in Merseburg-Erfurt) 
das Eintragen des Kalksteines in die Kalköfen, das Tragen großer Zie 
gellasten von den Pressen nach den Trockenräumen, sowie die Arbeit 
in Thon- und S and-Gräbereien. Auch das Befrachten der 
Lowren mit Preßkohlensteinen und Bri quets (Merseburg-Erfurt), 
das Abladen der Rüben in der Zucker-Industrie, die Beschäftigung 
von Frauen bei Bauten, besonders bei Erd arbeiten für Eisett 
bahnbau-Unternehmungen — „wo man dieselben mitunter . . . hoch auf 
geschürzt im Lehm oder feuchten Sand mit Karrenarbeit beschäftigt 
findet" (Potsdam-Frankfurt a. O.) —, das Einlegen der Teigmasse in 
die Maschinen der Tei gw aaren-Fabrike n (Baden) werden mit Recht 
als gefährlich und unangemessen bezeichnet. Ebenso müssen wegen der 
Staub entwickelun g schädlich wirken: die Beschäftigung in S tärkefa- 
briken (Leipzig), in Kammgarn-Spinnereien in den Räumen, in 
welchen die Kämmmaschinen aufgestellt siud, in Kunstwvll-Fabri- 
ken in den Räumen, in welchen die zu verarbeitenden Lumpen durch 
Maschinen zerrissen werden (Pfalz, Unterfranken und Aschaffenburg), 
in den Karderien der Leinen- und Abwerg-Spinnereien (Witt' 
temberg); ferner das Sortiren und Vertheilen der Borsten in den Bür 
stenfabriken (Baden), die Arbeit der H a d e r n - S o r t i re rinn e n , welche 
„in fortwährender Berührung mit einem schmutzigen, theilweise ekelhaften, 
staubenden und übelriechenden, vielleicht sogar mit Krankheitsstoffen tufi" 
cirten Rohmaterial" verschiedenartigen Krankheitsgefahren ausgesetzt find, 
in Papierfabriken und Lumpensortirungs-Anstalten (OberbaierN, 
Schwaben und Neuburg, Baden, Würtemberg), sowie in Hasenhaar- 
Schneidereien (Hessen), in Super Phosphat- und Leim-Fltt 
brisen (Posen) ; als Schleifer und Polirer in Betrieben der Kl ein 
eisen-Industrie (Düsseldorf) rc. 
Bezüglich der Cigarren-F abri ken äußert sich der Fabrik-JN' 
spector für Baden ausführlich: 
reget sich verstehen wird, da wir überzeugt sind, das; von den Industriellen ein solchi 
Verständniß der socialen Frage und ihren Anforderungen entgegengebracht wird, daß i' e ' 
wie sie das öfter gezeigt haben, gern und freudig an der Lösung derselben mitwirken."
	        
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