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Handelskammer für das Herzogtum Braunschweig.
„Ueber tic zahlreichen Handelsverträge und die damit in Verbindung stehenden
Abänderungen der Zolltarife des näheren sich auszulassen, biche an anderen Orten
oft Gesagtes wiederholen. Daß die Verträge die Erwartungen, mit welchen man
ihnen in Deutschland entgegen sab nur zum kleinsten Theile erfüllt baben, ist
leider eine Thatsache. Indessen seien wir dankbar auch für das Wenige; hoffen
wir, daß sich insbesondere bezüglich dec- Handelsvertrages mit Spanien günstige
Ergebnisse werden erzielen lassen.
„Man bat die Handelsverträge als eine Art Panacee gegen jeden Mangel
der Wirthschaft gepriesen, als eine Epoche, welche sofortigen Umschwung herbei
führen müßte; man vergaß, daß überall in Natur und Wirthschaft sich das zweite
ans dem ersten langsam entwickelt und auch für Handel und Wandel und höchste
nationalökonomische Weisheit keine Athene mehr fix und fertig gewappnet aus
denr Haupte der Gottbeit springt Der erhoffte augenblickliche Erfolg blieb aus,
und eine Muthlosigkeit war die Folge, welche durch den wirklichen Stand der
Dinge keineswegs gerechtfertigt erscheint.
„Der Panamerikanismus erhob immer entschiedenere Ansprüche, welche euro
päischen Beurtheilern ketzerisch erscheinen müssen. Ob die Monroedoktrin siegen
wird oder nicht, mag zunächst von dem Ausfall der Weltausstellung in Chicago
abhängen So lange europäische Staaten in Centralamerika Besitzungen haben,
kan» der amerikanische Ring niemals vollständig geschlossen werden. Es wird
Aufgabe unserer Regierung sein, durch Sicherung der Meistbegünstigung, namentlich
seitens Spaniens das deutsche Absatzgebiet zumal im Antillenbecken erfolgreich
zu behaupte».
„Die alte Streitfrage, ob und inwieweit die Getreidezolle die Steigerung der
Lebensmittel herbeigeführt baben, soll hier nicht untersucht werden. Daß dieselben
dazu beigetragen haben, die Brotfrucht zu vcrtbeuern, gilt uns als sicher; ebenso
sicher, daß dadurch die Kaufkraft breiter Volksschichten verringert und das Absatz
gebiet der Hanl fertigtest und des Gewerbefleißes eingeschränkt worden ist. Das
Jahr 1891 hat für den Weltmarkt des Getreides die Bedeutung eines Fchlsahres
gehabt. Es galt für einen großen Theil der Bevölkerung im Jabre 1801 das
Wort: die Zeiten sind schlecht; es ist Theuerung im Lande.
„Es würde zu weit führen, hier klar zu stelle», wie sich die Verhältnisse ge
staltet hätten, wenn man sich schon früher zur Aufhebung der Kornzölle entschlossen
und es nicht für nothwendig gehalten hätte, sich ihrer als eines Compensations
objectes bei Abschluß der HandelSvertiäge zu bedienen; Thatsache ist, daß sich
wenigstens die Landwirthschaft im Großen und Ganzen in günstiger Lage befindet.
Dank dem Ausbleiben der russischen Production vom Weltmärkte, dank den Aus
fuhrverboteil und der geringen Ernteaussicht des slavischen Ostens, der Hanptkorn
kammer Europas, blieb der hohe Preisstand des Getreides zunächst gesichert. Ist
doch der Versuch, Mais zur Brotbereitung in Deutschland einzubürgern, bisher
ohne nennenSwerthen Erfolg geblieben. Nur hat die Preisgestaltung des Berichts
jahres bewirkt, daß die Landwirthschaft für ihre schntzzöllnerischen Bestrebungen in
den Kreisen der Industrie viele der früheren Freunde eingebüßt bat."
Handels- und Gewerbekammer zu Sonneberg (SM).
„Wenn die hiesige Industrie, vielleicht mehr als jede andere, mit Ungeduld
und hoffnungsvoller Erwartung dem Abschluß der Handelsverträge, dem verheißungs-