Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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von  Nordamerika,  Frankreich.  England  n.  s.  w.  in  gleicher  Weise  zu  gute.  Welchen
Industriezweigen  besonderer  Nachtbeil  ano  den  neuen  Verträgen  entstehe»  wird,
läßt  sich  jetzt  noch  nicht  überall  sagen,  und  inwieweit  die  z»  bringenden  Opfer
durch  die  Rücksichten  ans  die  politische  Stellung  Deutschlands  zu  den  vertrag
schließenden  Staaten  geboten  waren,  entziebt  sich  unserer  Beurtheilung.  Wir  steben
jetzt  vor  der  vollendeten  Thatsache,  daß  ans  12  Jahre  an  den  zollpolitischen  Verba ­
  ltnissen  mit  den  genannten  Staaten  nichte  geändert  werden  kann.
„Von  dem  Ecntralverbaiid  deutscher  Industrieller  ging  der  Handelskammer
unmittelbar  vor  der  Annahme  der  neuen  Handelsverträge  im  Reichstag  die  Aufforderung ­
  zur  Meinungsäußerung  über  dieselben  zu.  Diesem  Verlangen  wurde
von  der  Kammer  entsprochen,  indem  man  seiner  Enttäuschung  darüber  Ansdruck
gab,  daß  der  deutschen  Wollwebwaarenindnstrie,  nachdem  der  Verkehr  nach  Oesterreich ­
  bereits  durch  die  vorhergegangenen  Zollcrböhnngen  beträchtlich  rednzirt  worden
ist,  in  dem  neuen  deutsch-österreichischen  Vertrage  keinerlei  Vergünstigungen  zu
Theil  werden  sollten,  und  daß  durch  die  Vertagszölle  mit  der  Schweiz  auch  noch
dieses  wichtige  Absatzgebiet,  wo  die  Erzeugnisse  der  deutschen  Wollweberei  gegenüber ­
  der  französischen  von  Fahr  zu  Fahr  an  Bedeutung  gewonnen  hatten,  beeinträchtigt ­
  werde.  Die  Kammer  sprach  auch  ihr  Bedauern  aus,  daß  den  betheiligten
Industriellen  von  der  Regierung  keine  Gelegenheit  geboten  worden  war,  bei  den
Verhandlungen  ibre  Wünsche  und  Ansichten  zur  Geltung  zu  bringen."
Handelskammer  zn  Hamburg.
„Die  Gestaltung  der  HandelSverhältnisse  zwischen  den  Ländern  Europas  nach
Ablauf  der  meisten  und  wichtigsten  Handelsverträge  am  l.  Februar  1892  bat  das
ganze  Fahr  hindurch  die  öffentliche  Aufmerksamkeit  beschäftigt.  Die  zunächst
zwischen  Deutschland  und  Oesterreich-llngarn,  dann  von  diesen  beiden  Ländern  gemeinsam ­
  mit  Italien,  der  Schweiz  und  Belgien  gefübrte»  Vertragsverhandlungen
baben  nicht  de»  schnellen  Verlauf  genommen,  wie  Anfangs  gehofft  und  erwartet
worden  war;  doch  konnte  der  Vertrag  zwischen  Deutschland  und  Oesterreich  Ungarn,
sowie  die  Verträge  jedes  dieser  beiden  Staate»  mit  Italien  und  Belgien  am
7.  December  den  Volksvertretungen  in  Berlin  und  Wien  unterbreitet  werden.  Der
Reichstag  hat  ihnen  nach  achttägigen  lebhaften  Debatten  am  18.  t.  M.  mit  überwältigender ­
  Mehrheit  seine  Genehmigung  ertheilt.  Wir  begrüßen  das  Zustandekommen
  dieser  Verträge  als  einen  wichtigen  Erfolg  der  Reicksregicrung.  welcher
für  das  deutsche  Wirtbschaftsleben  von  segensreichen  Folgen  sein  wird,  und  zwar
hauptsächlich  deswegen,  weil  durch  sie  der  in  der  begründenden  Denkschrift  hervorgehobenen
  Gefahr  eines  weiteren  Fortschreitens  der  besonders  von  Frankreich  ausgehenden ­
  Hochschutzzöllnerischen  Strömung  ein  fester  Damm  entgegengesetzt  wird.
Die  Festlegung  der  Zölle  Deutschlands  und  der  anderen  Staaten  für  einen  Zeitraum
  von  fast  12  Jahren,  bis  zum  31.  December  !!>03,  giebt  der  deutschen  Fnd»strie
  und  dem  deutschen  Handel  die  Möglichkeit,  auf  einer  gesicherten  Grundlage
ibre  Einrichtungen  zu  treffen;  wer  im  praktischen  Geschäftsleben  steht,  weiß,  daß
nachtheiliger,  als  die  Höhe  der  Zollsätze  selbst,  die  häufigen,  oft  ganz  unvcrmuthetcn
Aenderungen  derselben  im  In-  und  Auslande  wirkten,  welche  auf  den  sorgfältigsten
Berechnungen  beruhende,  mit  vielen  Mühen  und  Koste»  eingeleitete  Unternehmungen
zu  nichte  machten.  Die  Ermäßigungen  der  fremden  Zollsätze  werten  der  auf  die
Ausfuhr  angewiesenen  deutschen  Industrie  die  Erweiterung  ihres  Absatzes  ermöglichen
und  wir  erkenne»  dankbar  an,  daß  viele  der  von  biesigen  Industriellen  geäußerten
            
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