Full text: Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

Industrie der Absatz versperrt werten, baden wir borrito in ftüberen Jahresberichten 
angeführt: wir baden darauf hingedeutet, daß die Gefahr, welche in der pan 
amerikanischen Idee, in der Absperrung .Nutzlands. in der vielleicht auch nicht mcbr 
fernen Verwirklichung des ..Greater Britain" (bcc ZufammeņschlusseSĢroDritannieuS 
mit seinen Colonie,, zu einem geschloffenen Zollgebiete liege, geradezu auf eine 
Verständigung mit den mittel- und südeuropäischcn Staaten hindränge Die 
neueren Ereignisse auf dem Gebiete der äußeren Handelspolitik haben »ns schon 
jetzt siecht gegeben: denn die geschlossenen Handelsverträge mit den erwähnten 
mittel- und südcuropäischcn Staaten sind voraussichtlich nur die Vorläufer einer 
noch viel engeren handelspolitschen Annäherung. Daß eine solche engere zoll- 
politische Verbindung der mitteleuropäischen Staaten, besonders wenn noch einige 
Balkanländer hinzutreten, von größter volkswirthschaftlicher Tragweite sein würde, 
unterliegt keinem Zweifel: sic würde einerseits die verbündeten Staaten von allen 
übrigen wiithfchaftlich unabhängiger machen, andererseits darum den Export jener 
hervorragenden Produkte der zollvcrbünketen Länder, welcher das Ausland bedarf, 
gleichwobl kaum hemmen; sie würde gleichzeitig eine gegenseitige volkswirthschaft- 
liche Stärkung der verbündeten Staaten bedeuten, da denselben ein erweitertes 
Absatzgebiet dauernd gewährleistet wäre; sie würde endlich auch politisch von der 
größten Tragweite sein. La sie auch eine Annäherung oder Einigung in Steuer 
gesetzgebung. Währung, eine Gemeinsamkeit verschiedener NechtSgebiete herbeiführen, 
zun, Tbeile sogar zur Voraussetzung haben müßte. 
..Allerdings sind zur Erreichung dieser zukünftigen Gestaltung der Zollver- 
'hältinsse Mitteleuropas noch sehr erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Wir 
verkennen keinen Augenblick, daß eine viel weitergehende Ausgleichung der wirtb- 
jchaftlichen Entwicklung der betkciligten Staaten erfolgen muß, soll nicht der eine 
auf Kosten des anderen leiden. Allein wir meinen auch, daß diese wirtbschaftliche 
Entwicklung in den einzelnen Staaten je nach ihrer natürlichen Veranlagung er- 
folgen kann »nd wird, so daß nicht mehr ein ängstliches Abwägen der (Gleichheit 
auf allen wirthschaftlichen Gebieten nöthig werden wird, sondern nur in der 
wirthschastlicheu Bedeutung jedes Staates „ach der einen oder anderen Richtung 
hinreichende Gewähr für die Wahrung seiner Interessen bei einer ZoUvereinigung 
erblickt werden kann- Es wird auf agrarischem wie auf industriellem Gebiete 
mehr zu einer Art Arbeitstheilung kommen, und damit wird ein wesentlicher Tbeil 
der Bedenken, welche beute noch gegen die Zolleinigung sprechen, beseitigt werden. 
Enticheidend für das Zustandekommen eines Zollbündnisses in der angedeuteten 
Art ist aber die beute noch kaum zu beantwortende Frage, ob Nordamerika, ob 
Rußland auf dem Systeme der Abschließung beharren, ob das hier und dort in 
seinem Exporte bereits zurückgedrängte Großbritannien nicht der Idee des ..Greater 
Britain“ näher treten wird. Sollte diese Gefahr fortbestehen und näher rücken, 
dann ivlrt allerdings schon der Wunsch, noch ärgerem Schaden möglichst zu ent- 
geben, die mitteleuropäischen Staaten zu dem Zollbündnisse drängen, in welchen, 
sie, wenn auch nicht ohne Schaden im Einzelnen, im großen Ganzen doch zu ge 
winne» haben werden. 
„Mag aber diese eigenartige und bedeutsame Gestaltnug noch ferner Zukunft 
vorbehalten sein, so ist doch die schon eingetretene Wendung unserer Zollpolitik 
mit Freude zu begrüßen. Sind auch bisher die Aenderungen der Zolltarife, die 
Ermäßigungen der Zollsätze noch nicht sehr bedeutende, so liegt doch, wie oben 
erwähnt, in der Stabilität derselben, in ihrer Festlegung auf 12 Jahre ein nicht
	        
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