Full text: Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

8. Provin; Hannover. 
Handelskammer zu Harburg 
»Mit besonderer Aufmerksamkeit haben auch wir das Zustandekommen der 
neuen großen Handelsverträge zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Italien 
der Schweiz und Belgien verfolgt. Wir haben die Ueberzeugung, daß diese Ver 
träge dem deutschen Handel und der deutschen Industrie zuin reichen Segen ge 
reichen und wesentlich dazu beitragen werden, das Bündniß des Friedens, welches 
uns mit Oesterreich-Ungarn und Italien verbindet und zugleich die Basis für den 
Frieden in Europa und damit für die Entwicklung von Handel und Industrie in 
allen europäischen Ländern bildet, immer mehr und mehr zu befestigen. Zugleich 
erblicken wir in den Handelsverträgen eine Umkehr in der Hochschutzzöllnerischen 
Strömung, welche in den letzten Jahren mehr und inebr in den einzelnen Staaten 
sich geltend machte und bei weiterer Forschung manche Industriezweige im höchsten 
Grade zu gefährden geeignet war. Für besonders wesentlich erachten wir es. in 
Uebereinstimmung mit anderen Handelskammern, daß durch die Festlegung der 
Zölle Deutschlands und der anderen Staaten auf einen Zeitraum von nahezu 
12 Jahre» der deutsche Handel und die deutsche Industrie jetzt die Möglichkeit 
haben, auf einer gesicherten Grundlage die Einrichtung zu ihrer weiteren Ent 
wickelung zu treffen; denn nichts schädigt das deutsche Wirthschaftsleben mehr, als 
wen» alle paar Jahre — und häufig ganz »»vermuthet — wichtige Aenderungen 
in den Zollsätzen des In- und Auslandes eintreten, welche die sorgfältigsten Be 
rechnungen des solidesten Geschäftsmannes zu Schanden machen. 
„Angesichts der im verflossenen Jahre stattgefundenen Verhandlungen wegen 
Erneuerung der Handelsverträge mit Oesterreich Ungarn und Italien haben wir 
wiederholt Gelegenheit genommen, beziigliche Wunsche von Industriellen unseres 
Bezirks wegen der einzuführenden Zollsätze zur Kenntniß an eompetenter Stelle 
zu bringen." 
Handelskammer zu Hildcsheim. 
..Die Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn. Italien und Belgien welche 
das öffentliche Interesse im verflossenen Jahre in hervorragender 'Weise beschäftigt 
haben, sind am 18. December vom deutschen .'»teichstage mit großer Majorität 
angenommen worden, und haben die Zölle Deutschlands und der genannten Ver. 
tragsstaaten auf beinahe 12 Jahre, nämlich bis zum 31. December 1903 festgelegt 
Ol’ dre neuen Handelsverträge den Anfang einer neuen WirthschaftSpolitik und 
den Abgang z» einer Beseitigung des bestehenden Schutzzollsystem- bilden werden 
laßt sich ebenso wenig übersehen, wie die Wirkung, welche dieselben aus das 
gewerbliche und industrielle Leben haben werden. Jedenfalls ist mit denselben der 
Gipfel der Schutzzollpolitik überschritte» und die Aussicht vorbanden, daß aus dem 
Boden der,eiben neue Verträge geschlossen werden. Und welcher Gestalt auch die 
Wirkungen der Handelsverträge auf das vorhandene System sein mögen so ist 
doch sicher, daß dieselben innerhalb eines gewissen Rahmens Ruhe und Stabilität 
tur die deutschen Handclsverhältnisse geschaffen baden, und damit zu hoffen ist 
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