Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Kräfte einlösen. Naphtali selbst streifte . in seinem
großen Referat nur ganz flüchtig die mit dem Art. 165
zusammenhängenden Fragen. Aber im Verlauf der Aussprache,
 die manch pittoreske Schlaglichter aufzeigte, wurde
die klare und sehr konkrete Frage gestellt: „Wie denkt sich
der Bundesvorstand die weitere Durchführung des Artikels
165?“ So berührte Naphtali-in seinem Schlußwort zunächst

die Rolle der Betriebsräte im System der Demokratisierung
 der Wirtschaft.
So wichtig die Funktionen der Betriebsräte auch in all
den Fragen seien, die die Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses
 und die praktische Arbeitsgestaltung im Betrieb
betreffen, so sei es doch klar, daß der Einfluß auf die
Führung und .die Gestaltung der Wirtschaft nicht entscheidend
 über die Betriebsräte gehen werde, Wenn der
Betriebsrat das Schwergewicht in der wirtschaftlichen Beratung
 des Betriebes suchen würde, so werde sich notwendig
 in der Wirtschaftsführung und Wirtschaftseinstellung
ein gewisser Betriebsegoismus herausbilden, der der
Vorstellung von der Demokratisierung der Wirtschaft sehr
leicht widerspreche. (!) Bei dem praktischen Eindringen
 der Gewerkschaften in die Wirtschaft
 müssemansichdie.richtigen Ansatzpunkte
 für die richtigen Aufgaben anuyssuchen.
 „Den Betriebsräten, was ihnen entspricht: Betriebliche
 Ueberwachung der Arbeitsgestaltung, der Durchführung
 der Rationalisierung — da liegt ihr Schwerpunkt.
Informatorisches Eindringen ist eine Nebenfunktion.
Eindringen in die Wirtschaftsführung wird über die
betrieblichen Organe gehen müssen, wird von der
Arbeiterschaft nicht betrieblich gelöst werden können,
 sondern von ihren Beruisverbänden und von
der Gesamtorganisation der Gewerkschaiten.“

Auf den Artikel 165 selbst legt Naphtali offenbar geringes
Gewicht. Er bemerkte, daß er wenig dazu neige, wenn er
von der Demokratisierung der Wirtschaft spreche, diesen
Artikel der Verfassung in den Vordergrund zu rücken. Hier
gelte wohl im größeren das Wort Lassalles, daß die Verfassung
 die realen Machtverhältn.isse seien. „Wenn
wir im Kleinkampf an dieser oder jener Stelle unsere Position
 in der Wirtschaftsführung ausweiten, wenn wir das
Terrain, das wir der privatkapitalistischen Wirtschaft abgewinnen,
 ausdehnen, dann ist das in Wirklichkeit ein größeres
Stück Verfassung als der Paragraph, der da steht und noch
der Ausfüllung harrt. Immerhin, der Paragraph ist da, und
es wäre töricht von uns, nicht an ihn anzuknüpfen diejenigen
Forderungen, die wir auf dem Gebiet der Ausgestaltung der
wirtschaftspolitischen Vertretung der Arbeiterschaft zu stellen
 haben.‘“ Die Forderungen selbst beziehen sich auf die
zu Beginn dieses Abschnittes wiedergegebenen freigewerkschaftlichen
 Wünsche, Man wird diese Ausführungen
Naphtalis als eine ausreichende Klärung betrachten dürfen:
Die Betriebsräte sollen demnach nicht Träger der Demo-147

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.