Full text: Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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Lantwirtbschaft von großem Nutzen wäre Durch die Aufhebung der Eingang-. 
Zölle auf die obenbezeichncten Oelsaaten werte kein Interesse der Landwirthschaft 
geschädigt, die Eingang-zölle seien bis jetzt nicht im Stande gewesen, den deutschen 
Oeliaatenbau zu fördern weil Oelfriichtcbau in Deutschland immer unlobnend und 
von geringem Belang sein werde. Ter Zoll aus die obenbezeich,irren Oelsaaten 
sei eben so wenig berechtigt, als es ein Zoll auf robe Baumwolle zum Schutz des 
deutschen Flachsbaus wäre." 
Handels- und Gewerbekammer zu Heidenheim. 
"Wir baben in früheren Jahresberichten wiederbolt dem Wunsche einer Er 
leichterung des deutschen Handelsverkehrs mit dem Auslande durch den Ab.chluß 
von Handelsverträgen Ausdruck gegeben. Wir konnten daber die Eröffnung von 
Unterbandlnngen der Reichsregierung mit Oesterreich-Nngarn. der Lchwei; Italien 
und Belgien behufs des Abschlusses neuer Handels- und Zollverträge mit diesen 
Staaten nur höchst willkommen beißen und uns von selbst aufgefordert fühlen 
was an uns liegt, dazu beizutragen, daß bei der in Angriff genommenen A eu.' 
regelung der Bertragsvcrhältniffe des Deutschen Reichs zu auswärtigen Staaten 
in Betreff deö gegenseitigen Handelsverkehrs die Interessen der Industrie unseres 
Kammerbezirks tbunlichstc Berücksichtigung finden. Demzufolge baben wir die 
Handelsbeziehungen unserer Industrie zu den bei Erneuerung der Handelsverträge 
in Betracht koinmcnden Staaten des Auslands und die diesbezüglichen Wünsche 
unserer Industriellen bei den maaßgebenden Behörden aufs Eingehendste zum 
Ausdrucke gebracht. - Wenn es nun auch der Rcichsregiernng nur zu geringem 
Theile gelungen ist, in den Berträgen mit Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien 
und der Schweiz unsere Wünsche zur Erfüllung zu bringen, so gereichen uns diese 
Verträge doch zur Befriedigung insofern durch dieselben unsere Industrie wenigstens 
auf eine Reihe von Jal re» wieder von einem jede weiter aussehende Unternehmung 
zur Unmöglichkeit machenden Zustande fortwährender Beunruhigung über die Ge 
staltung der Absatzverhältnisse erlöst worden ist und nun mit sicheren Factorcn 
hinsichtlich ihrer Absatzsähigkeit zu rechnen vermag. Wir haben dies als einen 
Gewinn für unsere Industrie im Ganzen zu betrachten und können nur hoffen 
daß cs den einzelnen durch die neuen Verträge zum Theil schwer benachtheiligten 
Industriezweigen gelingen möge, sich mit den neuen Verhältnissen zurecht zu finden 
wobei wir unser Auge den Schwierigkeiten nicht verschließen, mit welchen jeder 
bei einem Vertrage auf do ut des zu thun bat und daher auch die Reichsregierunq 
bei», Abschlüsse der neuen Handelsverträge zu kämpfen batte. Die Herabsetzung 
der Gctreidezölle wird mit der Zeit jedenfalls der ganzen Industrie zu Statten 
kommen, indem sic zur Verbilligung der Nahrungsmittel und zur Erhöhung der 
Kaufkraft der inländischen Consnmentcn beiträgt und hoffen läßt, daß es nicht zu 
einer die Eoncurrenz mit dem billiger arbeitenden Auslande erschwerenden Er. 
böbung ihrer Arbeitslöhne kommen werde. Da wir hoffen, daß die Reichsregierunq 
auf dem betretenen Wege weiter schreiten und auch noch mit möglichst vielen 
anderen Ländern Verträge zur Erleichterung unserer Handelsbeziehungen abzu. 
schließen suchen werde, so glauben wir, daß dieselbe, um mit ihren Zugeständnissen 
gegen die anderen Contrabenten nicht zu weit zu gehen und von diesen thunlichst 
alle Concessionen zu erlangen, welche in dem Verkehre mit den betreffenden Ländern 
erfahrene und die industriellen Verhältnisse derselben aus eigener längerer Wahr 
nehmung an Ort und Stelle kennende Männer aus dem deutschen Handels- und
	        
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