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schaft des Jahres 1891, welche mit manchen Enttäuschungen, die uns dasselbe aus
anderen Gebieten brachte, auszusöhnen vermag "
Handelskammer zu Offenbach a. M.
„Den schwebenden Zollfragcn haben wir fortgesetzt die größte Aufmerksamkeit
gewidmet. Schon in unserem Jahresbericht für 1890 haben wir uns grundsätzlich
dabin ausgesprochen, daß im Interesse unseres Ausfuhrhandels eine freiheitlichere
Ausgestaltung des internationalen wirthschaftlichen Verkehrs durch Abschluß von
Handelsverträgen mit Konventionaltarifen durch Deutschlands Stellung in Europa
und auf dein Weltmärkte für unerläßlich geboten erachtet werden müsse. Wir
begrüßen deshalb den erfolgten Abschluß der neuen Handelsverträge, welche sich in
dieser Richtung bewegen, mit großer Genugthuung. Allen Wünschen auf Ver.
schärfung unserer Zollpolitik, wie berechtigt sie auch vom Standpunkte des Einzel-
interesses erscheinen möchten, können wir der oben gekennzeichneten Anschauung
entsprechend in Wahrnehmung des höher stehenden GesammtinteresseS, wenn sie
sich mit diesem nicht in Einklang bringen lassen, Sympathien nicht entgegenbringen.
Zu weiteren Eingaben höheren Orts haben wir gegenüber den im Berichtsjahre
deutscherseits gepflogenen Handelsvertragsverhandlungen, nachdem wir schon früher
zum deutsch-österreichischen Handelsvertrag mit Erfordern des Großh. Ministeriums
des Innern und der Justiz unsere Meinung ausführlich geäußert, aus eigenem
Antriebe bezw. durch Mittheilungen hiesiger Firmen angeregt im Interesse hiesiger
Industrien und ihrer Beziehungen zu den in Betracht kommenden Ländern Ver
anlassung genommen; anch haben wir uns den von Wiesbaden ausgegangenen
Bemühungen gegen die geplante Erhöhung des Zolles auf Staniolkapfeln und
Zinnfolien in Schweden angeschlossen."
Handelskammer für den Amtsbezirk Pforzheim.
.,Die Berichtsperiode war für die handelspolitische Thätigkeit dcü deutschen
Reiches insofern von einer besonderen Bedeutung, als mit Rücksicht auf die am
1. Februar 1892 ablaufenden Handelsverträge eine neue Grundlage für die Ge
staltung der Zollverhältnisse im eigenen Lande und vertragsweise mit den andern
Ländern geschaffen werden mußte. Alle Industriezweige verfolgten daher mit
gespanntem Interesse die Entwickelung dieser Angelegenheit, zumal sie im ersten
Stadium dieser Frage fast durchgehende unter der Ungewißheit der zukünftigen
Verhältnisse zu leiden hatten. Reit Freuden wurde es daher begrüßt, als später
die zollpolitische Vereinigung der mitteleuropäischen Staaten Deutschland, Oester
reich-Ungarn, Schweiz und Italien, denen sich dann noch Belgien anschloß, zu
Stande kam, da man von dieser Allianz eine Belebung der gegenseitigen Be
ziehungen, sowie eine weitere Heranziehung von Vertrags-Staaten erwartete. So
sehr man diese Verbindung als ein Verdienst unserer Reichsbehörden anerkennen
muß, so kaun man hinwiederum ihnen doch nicht den Vorwurf ersparen, daß sie
ihrer Aufgabe trotz des zwanzigjährigen Bestehens unseres Reiches noch nicht voll-
kommen gewachsen waren, indem sie derselbe» nicht genug auf den Grund gingen-
Sie hatten sich hauptsächlich nicht genügend mit den thatsächlichen Verhältnissen
in den einzelnen Industrien bekannt gemacht, wie das die späteren Vor
stellungen verschiedener Industriezweige, so z. B. der süddeutschen Textil
branche. der Uhrmacherindustrie auf dem Schwarzwalde u. s. w. gezeigt habe» und
wie wir cs auch bezüglich der Bijouterie-Industrie in der nachstehenden Darstellung