85
Es ist eben Sache der geschäftlichen Praxis, sich in alle
Punkte nach der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage zu ver
tiefen, sie zu durchdringen und für sich zu benützen; die Wissen
schaft hat nur die Aufgabe, auf diese Punkte hinzu weisen und die
Gesetze zu finden, welche auf sie einwirken.
Es ist das geschäftliche Leben, wenn man auch die Ver
kettung seiner Verhältnisse noch heute «Konjunktur« nennt, keines
wegs die durchaus unverständliche, von Schicksalsmächten dirigierte
conjunctio rerum omnium, die orphische Kette der alten Orphiker,
die ivâeaig rãv òvtav, der ôee^òg ãççrjxrog') das unzerreißbare
Band des Schicksals; sein Zusammenhang ist vielmehr ganz gut,
wiewohl nicht von jedem entwirrbar, wenn auch nicht immer und
überall die Macht vorhanden ist, den Gang der Dinge in einen
anderen Weg zu leiten. Und es wird stets dem Unternehmer so
viel Spielraum bleiben, um nach der Erkenntnis der Konjunkturen
den Stoffwert, wenn er Fabrikant, und den Formwert, wenn er
Kaufmann ist, in seine Kalkulationen ziehen zu können, und so
sich entweder zu einer Forcierung von Einkäufen zu entschließen
oder aber lieber einen Stillstand darin ein treten zu lassen.
Hinwiederum wird er bei dem Verkaufe den Orts-, beziehungs
weise Zeitwert seiner intensivsten Beachtung unterziehen und in
Vergleichung mit allen Momenten der Beschaffung bringen müssen.
Wenn es sein Streben sein muss, dass sich die Beschaffungskosten
möglichst niedrig stellen, so muss es auch darauf gerichtet sein,
dass die Verkaufskosten eine möglichst große Höhe erreichen. Er wird
also vor allem darauf bedacht sein müssen, dort die Nachfrage
und hier das Angebot nicht plötzlich und in größerem
Maße ohne gewichtigen Grund selbst zu erhöhen.
Da nun die Differenzen zwischen Beschaffungs- und Verkaufs
kosten den Gewinn in den einzelnen Unternehmungsfällen darstellen,
und insbesondere deshalb, weil jene Aufwandsummen, welche wir
oben und, wie es uns scheint, mit viel Berechtigung zu den Be
schaffungskosten gerechnet haben, • in der Praxis von dem ganzen
Unternehmen nicht getrennt werden können, sondern ununter
brochen fortlaufen, auch wenn keine Geschäftsvorfälle entstehen:
so wird es eine fundamentale Aufgabe des Unternehmers sein, die
Zahl der Geschäftsvorfälle oder — in ihre Teile zerlegt — die Höhe
der Produktion und die Höhe des Absatzes möglichst groß zu
') Heraklit. Th. I. S. 374-379.