Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

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Es  ist  eben  Sache  der  geschäftlichen  Praxis,  sich  in  alle
Punkte  nach  der  augenblicklichen  wirtschaftlichen  Lage  zu  vertiefen, ­
  sie  zu  durchdringen  und  für  sich  zu  benützen;  die  Wissenschaft ­
  hat  nur  die  Aufgabe,  auf  diese  Punkte  hinzu  weisen  und  die
Gesetze  zu  finden,  welche  auf  sie  einwirken.
Es  ist  das  geschäftliche  Leben,  wenn  man  auch  die  Verkettung ­
  seiner  Verhältnisse  noch  heute  «Konjunktur«  nennt,  keineswegs ­
  die  durchaus  unverständliche,  von  Schicksalsmächten  dirigierte
conjunctio  rerum  omnium,  die  orphische  Kette  der  alten  Orphiker,
die  ivâeaig  rãv  òvtav,  der  ôee^òg  ãççrjxrog')  das  unzerreißbare
Band  des  Schicksals;  sein  Zusammenhang  ist  vielmehr  ganz  gut,
wiewohl  nicht  von  jedem  entwirrbar,  wenn  auch  nicht  immer  und
überall  die  Macht  vorhanden  ist,  den  Gang  der  Dinge  in  einen
anderen  Weg  zu  leiten.  Und  es  wird  stets  dem  Unternehmer  so
viel  Spielraum  bleiben,  um  nach  der  Erkenntnis  der  Konjunkturen
den  Stoffwert,  wenn  er  Fabrikant,  und  den  Formwert,  wenn  er
Kaufmann  ist,  in  seine  Kalkulationen  ziehen  zu  können,  und  so
sich  entweder  zu  einer  Forcierung  von  Einkäufen  zu  entschließen
oder  aber  lieber  einen  Stillstand  darin  ein  treten  zu  lassen.
Hinwiederum  wird  er  bei  dem  Verkaufe  den  Orts-,  beziehungsweise ­
  Zeitwert  seiner  intensivsten  Beachtung  unterziehen  und  in
Vergleichung  mit  allen  Momenten  der  Beschaffung  bringen  müssen.
Wenn  es  sein  Streben  sein  muss,  dass  sich  die  Beschaffungskosten
möglichst  niedrig  stellen,  so  muss  es  auch  darauf  gerichtet  sein,
dass  die  Verkaufskosten  eine  möglichst  große  Höhe  erreichen.  Er  wird
also  vor  allem  darauf  bedacht  sein  müssen,  dort  die  Nachfrage
und  hier  das  Angebot  nicht  plötzlich  und  in  größerem
Maße  ohne  gewichtigen  Grund  selbst  zu  erhöhen.
Da  nun  die  Differenzen  zwischen  Beschaffungs-  und  Verkaufskosten ­
  den  Gewinn  in  den  einzelnen  Unternehmungsfällen  darstellen,
und  insbesondere  deshalb,  weil  jene  Aufwandsummen,  welche  wir
oben  und,  wie  es  uns  scheint,  mit  viel  Berechtigung  zu  den  Beschaffungskosten ­
  gerechnet  haben,  •  in  der  Praxis  von  dem  ganzen
Unternehmen  nicht  getrennt  werden  können,  sondern  ununterbrochen ­
  fortlaufen,  auch  wenn  keine  Geschäftsvorfälle  entstehen:
so  wird  es  eine  fundamentale  Aufgabe  des  Unternehmers  sein,  die
Zahl  der  Geschäftsvorfälle  oder  —  in  ihre  Teile  zerlegt  —  die  Höhe
der  Produktion  und  die  Höhe  des  Absatzes  möglichst  groß  zu

')  Heraklit.  Th.  I.  S.  374-379.
            
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