Full text: Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

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Schaft keine Ahnung«, wir meinen den Amerikaner Carey‘), in ein 
ganz neues Stadium der Theorie über den Unternehmergewinn. Carey 
befindet sich auf den ersten Blick und oberflächlicher Beurteilung 
zum Teile auf dem Standpunkte Sisraondis und Rossis, zum Teile 
auf dem Seueuils. Diese sonderbare Erscheinung entsteht aus der 
Erkenntnis Careys, dass der Besitz von Grund und Boden ebenso wie 
jedes andere Kapital, Kapital ist; diese Erkenntnis ist weit bestimm 
ter als bei Seueuil. Carey kennt nur drei Einkommensarten: Lohn, 
Gewinn und Zins. Der Gewinn ist möglich aus der Anwendung von 
beweglichem Kapital und aus der Ausnützung von Grund und Boden. 
Er kennt demnach auch eine Grundrente; aber erst nach Be 
wältigung der Natur, nach Aufwand von Thätigkeit, wird die Grund 
rente möglich, und ist dann der Gewinn aus einem durch Arbeit 
und Natur entstandenen Kapital, dem nutzbargemachten Grund und 
Boden. So bringt er, wie Seneuil, bewegliches Kapital und Boden 
besitz zusammen. Thätigkeit und Kapital hat er aber streng ge 
trennt, um beide, pseudoähnlich wie Sismoudi und Rossi, im Unter 
nehmergewinne zu vereinigen. »Das ganze Einkommen einer Nation 
oder die Summen der bergebracbten tausclibartm Werte rührt von 
gegenwärtiger Arbeit unterstützt von Kapital, dem Resultate trüiierer 
Arbeit her, und ist zwischen beiden geteilt. Die Vergütung für 
die crstere ist der Arbeitslohn; der Anteil des letzteren ist der 
Gewinn. Beide vereinigt bilden den sogenannten Unternehmergewinn.« 
Wie leicht zu erkennen, umfasst Careys Forschung ein größeres 
Wirtschaftsgebiet, als die anderer Scbrittsteller. Was er unter 
Unternehmergewinn versteht, ist die Summe der individuellen Unter 
nehmergewinne, der Unternehmergewinn des Volkes, der aus tausend 
ünternehmerthätigkeiten entspringt. Diesen Standpunkt verkennen 
seine Nachfolger, machen das zum persönlichen Unternehmergewinn, 
was Carey als den Unternehmergewinn einer Nation dachte, und 
kehren so thatsächlich zu den Theorien Sismondis und Rossis zurück. 
Wenn unsere Auffassung schon in dem oben angeführten Ausspruche 
Careys ihre Bestätigung findet, so erhellt sie noch viel klarer aus 
dem, was er über die Güterverteilung überhaupt sagt’): »Der Grund 
und Boden und die Arbeit nehmen stets an Spielraum zu, wenn 
’) «Die Grundlagen der Sozialwissenschaft.« Herausg. von Dr. C. Adler 
mit einem Vorworte von Max Wirth. 3 Bände (München 1863), und „Lehr 
buch der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft«, deutsch von Dr. C. Adler 
(München 1866). — «Principies of Political Economy«. 3 Bände (1838—1840)« 
*) Lehrbuch in einem Bande. 1866. S. 531.
	        
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