Full text: Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

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der Gegenwart, die Römer zur Zeit eines Seneca und Pliuius, eines 
Tacitus, Virgil, Horaz, Ovid, luvenalis, die Griechen zur Zeit des 
Sokrates, Platons und Aristoteles, die Inder zur Zeit eines Kali 
dasa, zeigen uns Völker auf dem Gipfel ihrer Entwickelung iu 
ihrer vollsten geistigen Entfaltung. Und das niedergegangene Volk 
der Semiten, wie es zerstreut unter uns lebt, handeltreibend und 
nach materiellen Gütern jagend; die bezöpften Söhne des Reiches 
der Mitte in der Gegenwart, wie sie nicht nur daheim im mauer- 
umgürteten China, aber auch im erblühenden Amerika Handel und 
Gewerbe zu ihrem fast ausschließlichen Lebenserwerbe gemacht 
haben, die Mauren des Mittelalters auf der pyrenäischen Halbinsel, 
die alten Ägypter und Phönizier in ihrer Berührung mit den 
klassischen Völkern sind alternde, sinkende Nationen. 
Nach diesen geschichtsphilosophischen Betrachtungen werden 
wir die Unternehmungen der verschiedenen Völker in ihren ge 
schichtlichen Entwickelungen und in jenen Zeiten ins Auge fassen, 
in welchen ihre nationalen Charaktere in ihren ökonomischen Thätig- 
keiten zur Erscheinung kamen. 
Dort, wo die Wiege des Menschengeschlechtes durch die 
Wissenschaft entdeckt worden ist, fallen uns im Kreise der arischen 
Völker die Inder auf. Auch bei ihnen gab es eine Zeit, da Handel 
und Verkehr verachtet waren, eine Zeit, in welcher das ökono 
mische Leben und der Marktverkehr insbesondere von der Obrig 
keit bis in die tiefsten Einzelheiten bevormundet wurden, und den 
Indern eine eigentümliche Scheu und Furcht vor dem Meere und 
der Schiifahrt innewohuten. Aber schon die alten Gesetzbücher 
scheinen hierin viel vorurteilsloser zu sein, und Bohlen ') spricht 
davon, dass sich selbst die für heilig gehaltenen Brahmauen an 
dem Handel beteiligt hätten. Die epischen Dichtungen der Völker 
des Sanskrits selbst weisen darauf hin, dass bei denselben zunft- 
IInd innuugsähnliche Einrichtungen vorhanden gewesen sind. 
Bei den Hebräern des Altertums waren die Gewerbe wohl 
zumeist Angelegenheiten der Hausindustrie. 
Dagegen finden wir im Lande der Pharaonen schon eine eigent 
liche Kaste der Handwerker und seit den ältesten Zeiten eine 
gewisse Industrie, welche größere Ausdehnung genommen hat, so 
die Präparierung falscher Haare und die Fabrikation von Perücken, 
welche schon den Baumeistern der Pyramiden bekannt waren. 
') Das alte Indien. II. S. 125.
	        
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