Full text : Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

28

der  Gegenwart,  die  Römer  zur  Zeit  eines  Seneca  und  Pliuius,  eines
Tacitus,  Virgil,  Horaz,  Ovid,  luvenalis,  die  Griechen  zur  Zeit  des
Sokrates,  Platons  und  Aristoteles,  die  Inder  zur  Zeit  eines  Kalidasa, ­
  zeigen  uns  Völker  auf  dem  Gipfel  ihrer  Entwickelung  iu
ihrer  vollsten  geistigen  Entfaltung.  Und  das  niedergegangene  Volk
der  Semiten,  wie  es  zerstreut  unter  uns  lebt,  handeltreibend  und
nach  materiellen  Gütern  jagend;  die  bezöpften  Söhne  des  Reiches
der  Mitte  in  der  Gegenwart,  wie  sie  nicht  nur  daheim  im  mauerumgürteten
  China,  aber  auch  im  erblühenden  Amerika  Handel  und
Gewerbe  zu  ihrem  fast  ausschließlichen  Lebenserwerbe  gemacht
haben,  die  Mauren  des  Mittelalters  auf  der  pyrenäischen  Halbinsel,
die  alten  Ägypter  und  Phönizier  in  ihrer  Berührung  mit  den
klassischen  Völkern  sind  alternde,  sinkende  Nationen.
Nach  diesen  geschichtsphilosophischen  Betrachtungen  werden
wir  die  Unternehmungen  der  verschiedenen  Völker  in  ihren  geschichtlichen ­
  Entwickelungen  und  in  jenen  Zeiten  ins  Auge  fassen,
in  welchen  ihre  nationalen  Charaktere  in  ihren  ökonomischen  Thätigkeiten
  zur  Erscheinung  kamen.
Dort,  wo  die  Wiege  des  Menschengeschlechtes  durch  die
Wissenschaft  entdeckt  worden  ist,  fallen  uns  im  Kreise  der  arischen
Völker  die  Inder  auf.  Auch  bei  ihnen  gab  es  eine  Zeit,  da  Handel
und  Verkehr  verachtet  waren,  eine  Zeit,  in  welcher  das  ökonomische ­
  Leben  und  der  Marktverkehr  insbesondere  von  der  Obrigkeit ­
  bis  in  die  tiefsten  Einzelheiten  bevormundet  wurden,  und  den
Indern  eine  eigentümliche  Scheu  und  Furcht  vor  dem  Meere  und
der  Schiifahrt  innewohuten.  Aber  schon  die  alten  Gesetzbücher
scheinen  hierin  viel  vorurteilsloser  zu  sein,  und  Bohlen  ')  spricht
davon,  dass  sich  selbst  die  für  heilig  gehaltenen  Brahmauen  an
dem  Handel  beteiligt  hätten.  Die  epischen  Dichtungen  der  Völker
des  Sanskrits  selbst  weisen  darauf  hin,  dass  bei  denselben  zunft-IInd
  innuugsähnliche  Einrichtungen  vorhanden  gewesen  sind.
Bei  den  Hebräern  des  Altertums  waren  die  Gewerbe  wohl
zumeist  Angelegenheiten  der  Hausindustrie.
Dagegen  finden  wir  im  Lande  der  Pharaonen  schon  eine  eigentliche ­
  Kaste  der  Handwerker  und  seit  den  ältesten  Zeiten  eine
gewisse  Industrie,  welche  größere  Ausdehnung  genommen  hat,  so
die  Präparierung  falscher  Haare  und  die  Fabrikation  von  Perücken,
welche  schon  den  Baumeistern  der  Pyramiden  bekannt  waren.
')  Das  alte  Indien.  II.  S.  125.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.