XVII
Die Gründung der Liga gegen Imperialismus
und für nationale Unabhängigkeit.
Die Notwendigkeit der Schaffung einer solchen Weltorganisation be-
gründet das Mitglied des deutschen Reichstages
Willi Münzenberg (Deutschland).
5» Kongreß, der seit einigen Tagen in Brüssel tagt, wurde lebhaft um-
stritten, schon bevor er zusammentrat. Es war vor einem Jahre, als einige
Freunde in London und Paris, später auch in Brüssel und Deutschland, den
Gedanken aufnahmen, die unterdrückten Völker und alle Vereinigungen, die
im Kampf um ihre Befreiung stehen, zu einem Kongreß zusammenzurufen.
Dieser Gedanke wurde anfänglich belächelt, seine Durchführung für un-
möglich erklärt.
Nur einzelne waren es, die optimistisch genug waren, an dieses Vorhaben
zu glauben und daran gingen, es zu verwirklichen.
Einige Tage des Kongresses sind hinter uns, und, wie so oft, konnte man
feststellen, daß auch diesmal die Optimisten, die Gläubigen, Recht behalten
haben. Was auch immer noch kommen mag, eins steht fest, der Kongreß in
Brüssel — der erste Kongreß gegen Imperialismus und für nationale
Unabhängigkeit — ist ein voller Erfolg. Der Besuch und der Ver-
lauf des Kongresses hat die kühnsten Erwartungen übertroffen. Die Man-
datsprüfungskommission hat ihre Arbeit beendet und festgestellt, daß
174 Delegierte anwesend sind, darunter allein 104 von Kolonialgruppen
und Organisationen aus unterdrückten Ländern. Unser Kongreß ist in seiner
Zusammensetzung einzigartig in der Geschichte der Arbeiterbewegung und
der nationalen Freiheitsbewegung. Zum ersten Male treffen sich auf einem
Kongreß Delegierte aus den verschiedensten Erdteilen, Vertreter verschiede-
ner Rassen, verschiedener Religionsgemeinschaften, verschiedener politi-
scher Überzeugung, verschiedener Weltanschauung. Nur ein großer; gemein-
samer Gedanke bindet die so verschiedenartigen Gruppen und Kreise, der Ge-