III.
Die Soimetrerger Kpielmaarerr - Hausindustrie und ihr
Handel.
Ņenn jemals eine Volksgruppe glänzend bewiesen hat, was Selbsthülfe
nm der Existenz willen vermag, so waren es die Oberländer des
Herzogthums Sachsen-Meiningen, die Begründer der Spielwaareu-H
a n s i n d u st r i e t m Oberland e des Herzogthums Sachsen-M
e i n i n g e n.
Als echtes „Kind der Noth" nach den Drangsalen des dreißigjährigen
Krieges im Dorfe Judenbach*) bei Sonneberg auf reich bewaldeten, aber
gering ergiebigen Bergrücken ersprossen und lange Zeit vom Handel der
Spielwaaren-Mntterstadt Nürnberg genährt und groß gezogen, ließ sie die
armen, von Kriegsnöthen oftmals heimgesuchten Urheber jenes Hausgewerbes
nicht ahnen, welch' unschätzbares, unvergängliches Erbe sie geschaffen,
das in Form einer seßhaften Hausindustrie sie ihren spätesten Nachkommen
hinterließen.
Nachdem im Lause eines Jahrhunderts unter den fleißigsten, sparsamen
Arbeitern ein genügender Grad von Schulbildung, Geschästskenntniß
und von Wohlhabenheit erreicht war, schickten sie ihre Söhne ins Ausland,
in kaufmännische Lehre und auf Reisen, um direkte Handelsverbindungen
einzuleiten.
So wuchs seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in Sonneberg,
dem Vororte jener Production, ein Handels- und sprachenknndiger Großhandels
sta nd empor, dessen Fleiß und Unternehmungsgeist es nach und
nach gelang, die Sonneberger Spielwaaren-Haus-Jndnstrie**)
zu welthand el sgeschichtlich er Bedeutung zu erheben.
*) An der alten Heerstraße zwischen Nürnberg-Leipzig gelegen.
**) Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts erstreckte sich die Svnneberger Spielwaaren
- Fabrikation blos auf Holz. von dort ab wandte man auch Teigmasse an, in
Verbindung mit Holz.