Full text : Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel

mâché),  welche  im  ersten  Jahrzehnt  dieses  Jahrhunderts  von  dem  Kaufmann ­
  Friedrich  Müller  in  Sonneberg  eingeführt  wurde.
Während  bei  massiv  hölzernen  Waaren  jedes  einzelne  Stück  aus  freier
Wb  ge^n^t  werben  muß,  bebáis  eg  bei  bei  Sß&pieimaffe  mir  eineg
Modelles  aus  Thon  zu  einer  Form  aus  Schwefel  oder  Gyps,  aus
welcher  Tausende  von  Abdrücken  manuell  gewonnen  werden  können.
Den  Eigenschaften  der  Papiermasse,  daß  sie  knetbar-plastisch  in
die  Formen  eingedrückt,  nicht  gegossen  wird  und  nicht  gebrannt  zu  werden
braucht,  daß  sie  in  warmer  Zimmertemperatur  rasch  genug  erhärtet,  um
aus  ein  er  Form  ununterbrochen  Abdrücke  nehmen  zu  können,  sowie,  daß  sie
an  Billigkeit  von  keiner  anderen  Masse  übertroffen  wird,  verdankt  die
plastische  Spielwaaren-Jndnstrie  allein  den  großartigen  Aufschwung, ­
  den  sie  zumeist  im  Kreis  Sonnzeberg,  dann  in  Thüringen
und  darüber  hinaus  genommen  hat.
Während  in  der  Herstellungsweise  verschiedenartiger  Industrie-Erzeugnisse ­
  eine  wahre  Umwälzung  sich  vollzog  und  fortwährend  stattfindet,  indem
die  Großindustrie  vermöge  ihres  Capitals,  vermöge  der  Ausnützung  wissenschaftlicher ­
  Erfindungen  und  Anwendung  großartiger  maschineller  Einrichtungen ­
  den  Gewerben  einen  Handelsartikel  nach  dem  andern  abringt,
bestehen  die  Hauptgruppen  der  deutschen  Spielwaaren-Hausund
  Kleinindustrie  im  Meininger  Oberlaude  und  im  Sächsischen ­
  Erzgebirge  nicht  nur  ungeschmälert  fort,  sondern  sie  haben  alle  bedeutend ­
  sich  erweitert.  Weil  ihre  Fabrikate  nur  manuell  herzustellen
sind,  weil  jeder  Artikel  eine  verschiedenartige,  mehr  oder  weniger  geistige,
inbioibneKe  Bebanblnng  e^ei^t,  so  #en  med)ani#e  mtfel  gn  ^wnn^
hafterem  Fabrikationsbetrieb  hier  keine  Nutzanwendung,  zumal  die  Mehrzahl ­
  der  hunderttausendfältigen  Spielwaarengebilde,  um  den  wechselnden
Geschmacksrichtungen  der  verschiedenen  Völker  und  ihrer  Classen  zu  entsprechen, ­
  häufigen  Veränderungen  in  der  Gestaltung  unterzogen  werden
müssen  und  überdies  in  verhältnißmäßig  nur  kleinen  Quantitäten,  aber  in
um  so  größerer  Varietät  vom  Handel  begehrt  werden.  Deshalb  eignet  sich
nächst  dem  Holze  die  bildsame  Papiermasse  so  vortrefflich  zur  Herstellung
billigster,  figürlicher  Spielwaaren  für  die  einfachen  Verhältnisse  der  Spielwaaren-Hansindustrie, ­
  wie  sie  in  Sonneberg  und  Umgegend  betrieben  wird.
Während  bei  Fabriken  das  Wohl  und  Wehe  der  Arbeiter  häufig  nur
von  einer  Person,  dem  dirigirenden  Arbeitgeber,  abhängig  ist,  —  sind
            
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