Object: Denkschrift über die Maschinenindustrie der Welt, bestimmt für das Komitee B des Vorbereitenden Ausschusses der Internationalen Wirtschaftskonferenz des Völkerbundes

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das doch die Verwendung der Lohnarbeiter im südrussischen Ackerbau 
noch nicht aus. Die Betrachtung über das in Russland bestehende Pacht 
system hat gezeigt, dass auch dadurch die Nachfrage nach Arbeits 
kräften so unbedeutend vermindert wird, dass diese Verminderung gar 
nicht in Betracht kommt. Der grösste Teil des bestellten Bodens wird 
immer von den Lohnarbeitern bestellt. 
Um eine völligere Charakteristik der Betriebsverhältnisse des Privat 
grundbesitzes, zu geben, wollen wir noch die Frage der Anwendung der 
landwirtschaftlichen Maschinen berühren. Die meisten sowohl Guts 
wirtschaften als auch Bauernwirtschaften in den neurussischen Gouver 
nements zeichnen sich durch häufige Verwendung der landwirtschaftlichen 
Maschinen und des toten Inventars überhaupt aus. 
Wie gross diese Anwendung des eigenen, toten Inventars in den 
grossen adeligen Wirtschaften in den Jahren 1886-1893 war, zeigen 
folgende Zahlen: Von 1094 adeligen Grossgütern in den vier (ohne das 
Dongebiet) Gouvernements besassen 46,3% oder 508 eigenes Inventar. 
Von den einzelnen Gouvernements besassen 48,3 % im Gouv. Ekaterinos- 
law und in Taurien schon damals sämtliche Wirtschaften eigenes totes 
Inventar. Von 1105 Gutswirtschaften besassen 67,5% oder 716 Guts 
wirtschaften eigene Gebäude und ein Drittel waren ohne dieselben. Was 
die Art des toten Inventars anbetrifft, so bestand es grösstenteils aus 
Maschinen. Von 500 im Besitze eigenen toten Inventars sich befindenden 
Gutswirtschaften haben 314 oder 61,6% landwirtschaftliche Maschinen 
gehabt. Die grosse Nachfrage nach Arbeitskräften ist es, die eine starke 
Verwendung von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten in den 
neurussischen Gouvernements hervorrief. In den siebenziuer Jahren 
o 
zählte man im Gouv. Cherson etwa 314 in der Landwirtschaft ver 
wendete Lokomobilen; im Jahre 1881 waren es schon 500. In den 
Jahren 1884—1886 in den drei (von sechs) Kreisen desselben Gouverne 
ments waren schon 435 Dampfdreschmaschinen beschäftigt. Im Jahre 
1895 hat sich diese Zahl verdoppelt. Und im Jahre 1897 zählte man 
schon in den drei Kreisen 1150 Dampfdreschmaschinen. 
«Ueberall auf dem Lande» — berichtet das Landwirtschaftskomitee 
vom Gouv. Cherson — «sind jetzt die Mähmaschinen und die Göppel- 
dreschmaschinen, sogar auch die Säemaschine zu treffen. Als Werkzeug 
für die Bodenbestellung dient in den meisten Fällen der Pflug. Das 
Hauptbestreben der Grossbauern äussert sich in der Verminderung der 
Ausgaben für Arbeitslöhne, darum erwirbt der Bauer häufig Mäh- und 
Säemaschinen.»
	        
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