Full text : Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel

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Während  der  Schüler  der  „descriptive::  National-Oekonomie"  aus  alten
verstaubten  Akten  seine  Weisheit  sammelte,  entflog  ihm  der  Geist  des  Lebendigen, ­
  der  ans  den  geschästbelebten  Straßen  und  in  den  Häusern  die
schaffenden  und  schöpferischen  Elemente  bewegt,  welch'  lärmendes  Treiben
nur  eine  Störung  für  seine  philosophischen  Arbeiten  gewesen  sein  mag.
Ohne  Vorkenntniß  von  Wesen  und  Geist  in  Industrie  und  Handel,  ja
nicht  einmal  ausgestattet  mit  dem  Verständniß  des  Begriffs  „  Concurre ­
  nz",  zu  dem  jedes  Conversationslexikon  leicht  und  billig  ihn  hätte
führen  können,  hat  es  doch  dem  Herrn  Seminarist  der  Staatswissenschaften
beliebt,  unter  sozialdemokratischen  Einflüsterungen  seine  Begriffe  so  zu
bilden,  wie  zu  seinem  „Studien-Schattenbild  nach  der  Natur"  sie
ihm  und  seinen  Auftraggebern  paßten.  Er  hat  die  Zustände  an  einigen
Familienheerden  der  niedersten  Classen  studirt  und  die  Häuser  und  „Villen"
aller  vom  Handel  wohlhabend  gewordenen  Gewerbetreibenden,  Fabrikanten
und  Kaufleute  möglichst  gemieden,  -  um  als  Pathologe  der  modernen
Philosophie  keine  andere  als  seiner  Patienten  Luft  zu  athmen,  welche
übrigfna  int  ßnn&en  %Retniiioer  DWmib  Mnegireßö  eine  fo^MbentoWtf^^e,
sondern  vorherrschend  eine  liberale  ist.*)
Gerade  in  solchen  Häusern  der  Wohlhabenden  hätte  er  erfahren  können,
was  in  den  Hütten  der  Armen  ihm  nicht  erklärt  werden  konnte,  und  was
sein  eigner  Geist  an  Ort  und  Stelle  nicht  hat  erforschen  können,  unter
welchen  Grundbedingungen  nämlich  die  Phasen  in  Gewerbe,  Industrie
und  Handel  in  Sonneberg  und  Umgegend  vor  sich  gehen,  wie  da  durch  Fleiß
und  Energie  im  Schaffen,  mit  Sparsamkeit  gepaart,  auf  pyramidalen  Stufen
der  Aufschwung  möglich  ist.  So  stammen  nicht  nur  alle  eingeborenen
wohlhabenden  Fabrikanten,  zumeist  in  zweiter  Generation,  sondern  auch  alle
Kaufleute  in  dritter,  aus  dem  niederen  Arbeiterstande,  ja  zum  Theil  aus
dem  untersten,  demselben,  welchen  Herr  Dr.  Sax  als  „Proletariat"  zu  bezeichnen ­
  beliebt.  Die  Großväter  der  Aeltesten  der  Sonneberger  Kaufmannschaft ­
  waren:  Maler  und  Spielwaarenmacher,  Nagelschmiede,  Wetzstein-  und
Schiefergriffelmacher,  Bäcker  rc.  Solche  Stammbäume,  die  jene  Kaufleute
mit  Stolz  die  ihrigen  nennen,  zeugen  vom  „Adel  der  Arbeit",  den  die
Sippe  der  Katheder-Sozialisten  nicht  anerkennen  will,  so  lange  unter  dem

*)  Die  letzten  Reichötagöwahlen  ergaben  in  der  Stadt  Sonneberg  949  liberale,
110  conservative,  10  sozialdemokratische  Stimmen.
            
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