Strassen aus ; vielfach haben sie kleine grüne \’’orgärten.
Plätze mit Parkanlagen unterbrechen hie und da die monotone
Länge der Strassen, die gut gepflastert, vielfach asphaltirt,
von guten und breiten Trottoirs eingefasst und sehr rein gehalten
sind. Plerde-Kisenbahnen machen den Personenverkehr
bequem und angenehm, Frachten verkehr aber fehlt gänzlich,
denn Washington ist vielleicht die einzige Nichthandels- und
Nichtfabrikstadt der Union ; deshalb ist sie geräuschlos
und macht in diesem Lande den Eindruck einer
todten Stadt, den sie in Europa durchaus nicht machen
würde.
Die Staatsgebäude sind stattlich, meist aus vveissem Stein
in antikem Style gebaut, doch gewinnen neuerdings rother,
sehr schöner Sandstein und englische Gothik das Uebergewicht.
Man baut eifrig grosse und sehr stattliche öffentliche Gebäude,
So ein Ackerbau-Ministerium mit grossen Anlagen zur Versuchsstation
und ein Museum.
Das Capitol liegt am Ende einer sehr langen, breiten
Strasse, erinnert an St. Peter in Rom, präsentirt sich aber viel
besser als dieser, der von engen und kurzen Strassen eingeengt
und eingezwängt ist und beiweitem nicht so zur Geltung
gelangt, wie das Capitol, welches von einer ähnlichen, wie mir
Scheint, schlankeren Kuppel überragt ist und auf einer kleinen
Anhöhe liegt.
Im Ganzen erinnert Washington an Versailles, auch an
Darmstadt,' nur ist es allerdings weit grösser. Auch zieren
einige sehr geschmackvoll placirte, gute Monumente die
Kreuzpunkte einiger Strassen. Es ist eine sehr stattliche,
Wachsende Haupt- und Residenzstadt, in der man bald die
nnterrichtetsten Gesandten aller Nationen sehen wird.
Nicht nur die sociale, ökonomische Einwirkung Amerikas
Europa macht dies noth wendig, sondern auch der Umstand,
Union unter der neuen Regierung eine active äussere
olitik befolgen dürfte, welche ich als „Hands off“ — „Hände
'\eg!“ — Amerikas in amerikanischen Angelegenheiten bezeichnen
möchte.
. Meiner Ansicht nach haben die Franzosen in sehr unvorsichtiger
Weise Amerika eine Veranlassung gegeben, dieser