Full text: Erhebung über die Produktion

Internationale Rundschau der Arbeit 
2. Die Krise der technischen Ausrüstung 
Bei dieser Frage ergeben sich zunächst die folgenden Schluß- 
folgerungen: 
1. Eine erhebliche Anzahl von Ländern fand sich bei Be- 
endigung des Krieges in einer außerordentlich schweren Krise 
der technischen Ausrüstung. 
2. Diese Krise erreichte damals und während des Jahres 1919 
ihren höchsten Punkt. Darauf ist dann ein andauernder Rückgang 
dieser Krise zu bemerken, doch behinderte sie in der Mehrzahl 
dieser Länder die Wiederbelebung der Produktion noch zu der 
Zeit, als die Antworten auf den Fragebogen für diese Erhebung 
bearbeitet und in einer Reihe von Ländern an Ort und Stelle auch 
unmittelbare Auskünfte eingeholt wurden. 
3. Die Krise der technischen Ausrüstung zeigt sich besonders 
in Europa und hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, bei den 
kriegführenden Ländern. Außerhalb Europas macht sie sich 
höchstens durch minder folgenschwere Rückwirkungen der euro- 
päischen Krise bemerkbar, z. B. dadurch, daß die Beschaffung 
bestimmter in KEuropa hergestellter Maschinenarten erschwert 
wird. 
Die wichtigsten Faktoren dieser Krise sind: a) Zerstörung 
oder Beschlagnahme während des Krieges, b) übermäßige Ab- 
nutzung aller Art der technischen Ausrüstung während der Kriegs- 
zeit, c) in manchen Ländern die Währungskrise. 
Aber die Tatsachen dieser Art zeigen doch nur eine Seite 
des Zustandes. Soweit Unterlagen beschafft werden konnten, 
besonders in Beantwortung der Frage: „Hat die Verwendung 
von Maschinen als Ersatz der Handarbeit seit Kriegsbeginn 
Fortschritte gemacht ?‘““: lassen sie eine zweite sich außerordentlich 
deutlich zeigende Bewegung in einer ganzen Reihe von Ländern 
in die Erscheinung treten, die Bewegung zur Vervollkommnung 
der technischen Ausrüstung. Als Ursache des auf diesem Gebiete 
erzielten Fortschrittes sind im Wesentlichen in der Kriegszeit 
erweiterte und dringende Anforderungen anzusehen, dann auch 
der Arbeitermangel, der sich als Hindernis zur Befriedigung jener 
Bedürfnisse erwies, und schließlich die erhöhten Löhne, die sowohl 
die Folge jener Bedürfnisse wie auch dieses Mangels waren und 
die geradezu auf den Ersatz der Handarbeit durch Maschinen 
hindrängten, soweit das irgend möglich war. Die hierzu zusammen- 
getragenen Einzelheiten bestätigten also erneut die schon oft 
festgestellte Tatsache, daß zwischen dem Steigen der Löhne und 
der Vervollkommnung der technischen Ausrüstung eine innere 
Verwandtschaft besteht. 
Um diese Fortschritte in den Vereinigten Staaten darzutun, 
sei an eine Erklärung des Handelsministers Herbert Hoover 
vom 8. Mai 1923 erinnert, nach der man dank der Vervollkomm- 
nung der Technik in der Lage sei, „einem Jeden die gleiche Waren- 
menge zu liefern, die er vor 10 Jahren verbrauchte, und trotzdem 
2 Millionen Arbeiter zu entlassen‘. Im Ganzen sind es, wenn man 
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