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Capitel III.
Bestimmung oder Verwendbarkeit nicht das Allerge
ringste zu thun. Das beweisst schon der Handel, der
doch seinem Wesen nach nichts anderes ist, als ein
Kauf und Wiederverkauf, d. h. eine Besitzüberlra-
müssen unfehlbar den Charakter einer ganz unfruchtbaren Speku
lation au sich tragen. Wenn daher Koscher an jener Stelle von
einer Begriffsverwirrung in der Wissenschaft spricht, so liegt der
Grund davon nicht, wie er meint, in dem Umstande, dass der
Ausdruck Kapital im Leben sowohl als in der Wissenschaft ge
braucht wird, sondern vielmehr in dem Umstand, dass es eben
bisher den Gelehrten nicht in genügendem Maasse darum zu thun
gewesen oder nicht gelungen ist, über den Vorstellungsinhalt,
welchen das praktische Leben thatsächlich mit jenem Ausdrucke
verbindet, vollständig in’s Klare zu kommen. So stösst man denn
auch gelegentlich noch immer auf die ganz unrichtige Behauptung,
dass das Leben unter Kapital nur Geld verstehe. Allerdings lässt
sich ein Kapital immer nur als eine bestimmte Geldsumme den
ken oder vorstellen, weil eben in dem Begriff Kapital die Vor
stellung des Werthes enthalten ist, und aller Werth nur messbar
ist durch den Preis. Daraus folgt indess noch keineswegs, dass
nach dem Sprachgebrauch des alltäglichen Lebens der Begriff Ka
pital nicht auch Waarenvorräthe, insofern dieselben eben einen
bestimmten Geldwerth besitzen oder „repräsentiren“, umfassen
würde. In der That würde es mit einem Kaufmann, der sein
Kapital ausschliesslich in seinem Kassenbestande, nicht auch in
seinem Waarenvorrathe, verkörpert sehen würde, sehr übel be
stellt sein. Man kann oben sehr wohl einen richtigen Begriff von
einer Sache haben, ohne dass man darum auch schon den Begriff
in seine Bestandtheilo zu zerlegen d. h. richtig zu „definiren“
vermag.