Full text : Klemens Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Steinkohle

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Steinkohle

abschluß  und  dem  mächtigen  Druck  der  auflagernden ­
  Niedersehlagsmassen  von  Sand  und
Sdilamm  eine  ganz  allmähliche  gewesen,  indes
jene  Massen  sich  in  Stein  verwandelten.  In  der
so  entstandenen  Kohle  besitzen  wir  aber  einen
besseren  Brennstoff  als  ihn  die  ursprünglichen
Hölzer  oder  anderen  Gewächse  abgeben  konnten.
Die  brennbare  Masse  findet  sich  in  den  Kohlen
auf  ein  weit  kleineres  Volumen  zusammengedrückt
und  die  Kohle  ist  beiläufig  doppelt  so  reich  an
Kohlenstoff  als  Holz,  sodaß  also  die  Verkohlungsprozesse ­
  vorzugsweise  die  Ausscheidung  von
Sauerstoff  und  Wasserstoff  bewirkt  haben.  Der
Kohlenstoffgehalt  seinerseits  wurde  teilweise  zur
Bildung  von  Kohlensäure  und  Kohlenwasserstoffgas ­
  (schlagende  Wetter),  wahrscheinlich  auch
Erdölen,  in  Anspruch  genommen,  da  er  sonst
noch  höher  sein  würde.  Der  Kohlenstoffgehalt
der  Steinkohlen  geht  je  nach  der  Kohlenart  von
74  bis  88  7„  (Wasserstoff  3*/,  bis  Sauerstoff
nebst  etwas  Stickstoff  20  bis  8  ®/o)*  Solche  reine
Kohle,  bei  welcher  also  auf  den  Aschengehalt
nur  1  bis  2  ®/o  kommen,  ist  indes  nicht  gerade
häufig;  meistens  geben  die  Kohlen  weit  mehr
Asche  und  es  treten  dann  für  obige  Zahlen  entsprechend ­
  geringere  ein.  Die  englischen  Kohlen
geben  2,G  bis  4,9®/g  Asche,  bei  den  preußischen
wurde  als  größte  Menge  14,05,  als  kleinste  1,4
gefunden.  In  Sachsen  haben  die  Pech-  und
Kußkohlen  87,  bis  9'/,,  die  Schieferkohlen  von
20  bis  CG®/o  Unverbrennliches.  Es  ist  aber  die
sog.  Steinkohlenasche  keineswegs  mit  einer
Holzasche  zu  vergleichen,  sondern  sie  besteht
mehr  aus  Mineralsubstanzen,  die  sich  erst  während ­
  der  Kohlenbildung  einmischten,  während
derjenige  Teil,  der  ursprünglich  Bestandteil  der
lebenden  Pfianze  war,  nur  einen  sehr  kleinen
Teil  ausmacht.  Bemerkenswert  ist,  daß  in  dem
Vorkommen  der  Kolilen  in  ganz  verschiedenen
Weltgegenden  die  Verhältnisse  überall  die  gleichen
sind  und  auch  die  Steinkohlenflora  dieselbe  ist,
woraus  wohl  gefolgert  werden  muß,  daß  zur
Zeit,  in  der  diese  Flora  entstand,  das  Klima  auf
der  ganzen  Erde,  wenn  auch  nicht  ein  ganz
gleiches,  so  doch  ein  nur  wenig  verschiedenes
gewesen  sein  kann.  Die  Kohle  findet  sich  mit
bestimmten  Gesteinsarten  zusammen  und  abwechselnd ­
  gelagert,  und  man  hat  ebendeshalb
diese  geologische  Gruppe  die  Steinkohlenformation ­
  oder  karbonische  Formation
genannt.  Zwar  kommen  auch  in  anderen  Formationen ­
  abbauwürdige  Kohlenlager  vor,  wie
z.B.  (Grafsehaft  Schaumburg,  Fürstentum  Bückeburg) ­
  in  der  sog.  Wealdenformation,  aus  welcher
ganz  vorzügliehe  Kohlen  gewonnen  werden;  im
ganzen  aber  sind  diese  außergewöhnlichen  Vorkommnisse ­
  doch  nur  unbedeutend.  Die  Begleiter
der  Kohle  sind  geschichtete  oder  sedimentäre,
d.  h.  aus  Wasser  niedergeschlagene  Gebirgsarten.
Das  Fundament  der  eigentlichen  Kohlenformation
bildet  in  einigen  Gegenden,  z.  B.  in  England,
ein  Kalkstein  (Kohlenkalk),  auf  welchem  Schichten
von  Sandstein  und  Schieferthon  abwechselnd  mit
Kohlenschichten  lagern;  in  Deutschland  fehlt
der  Kohlenkalkstein.  Die  Decke  der  Kohlenformation ­
  bildet  in  der  Kegel  das  Kotliegende.
Die  Kohlenschichten,  welche  also  bei  Durchschnitten ­
  als  Querstreifen  erscheinen,  nennt  man
Plötze;  in  ihrer  Zahl  und  Mächtigkeit  (Dicke)
herrscht  die  größte  Verschiedenheit;  je  zahlreicher ­
  sie  auftreten,  desto  schwächer  pflegen  sie
zu  sein.  Es  gibt  Kohlenschichten,  die  gleichsam
nur  als  dünne  Häutchen  zwischen  den  Gesteinen

liegen  und  sieh  in  den  Gruben  wie  dünne  Fa  e
weithin  verfolgen  lassen.  Um  abbauwürdig  z
sein,  müssen  die  Flötze  natürlich  eine  ff®"'*®*
Mächtigkeit  haben;  liegt  zwischen  mehrer
schwaehen  Flötzen  nur  we  „
so  können  sie  auch  zugute  gemacht  werden.

schwaehen  Flötzen  nur  wenig  Zwischengesteint
rden.  a“
den  westfälischen  Gruben,  wo  die  Zahl

Flötze  über  einander  20  bis  70  beträgt,  sind
brauchbaren  nur  zwischen  G  und  12  dm  ’
bei  Zwickau  sind  9  bis  10  verschiedene  _
vorhanden  von  1,8  bis  2,4  m  Mächtigkeit;
tiefe  Planitzer  Flötz  hat  aber  G  bis  7m,
Kußkolilenflötz  9  m  Mächtigkeit.  An  a“der
Orten  steigt  die  Zahl  der  Flötze  selbst  bis  n
100,  so  bei  Mons  auf  115,  in  einer  Gegend
Saarbrücker  Kohlenreviers  auf  1G4  mit  ei
Gesamtmächtigkeit  von  101  m,  denn  diese  n
natürlich  nicht  die  Zahl  ist  die  Hauptsache.
Schichten  liegen,  wo  sie  nicht  nachgängig  g®®
sind,  ganz  horizontal  und  bedecken  meist
gleichbleibender  Stärke  oft  weite  Strecken,
den  meisten  Fällen  sind  freilich  diese
Lagen  durch  spätere  Erdrevolutionen,  durch
Empordringen  feurig  flüssiger  Massen,  mehr  ®  ^
weniger  gestört,  die  Schichten  verbogen
verworfen  (Verwerfungen)  geknickt,  schräg  g
stellt  u.  s.  w.,  sodaß  hierdurch  das  Ausbrmg  ^
der  Kohle  oft  bedeutend  erschwert  wird.
und  da  werden  mit  den  Kohlen  zugleich  g^^
Eisenerze  gefunden  und  dieses  günstige  ^ttsamm
treffen  erhöht  dann  natürlich  den  Wert
Mineralien  gar  sehr.  England  namentlich  '
dankt  diesem  Umstande  zum  großen  Ten
Aufschwung  seiner  Eisenindustrie,  und  diese
Ursache  und  Wirknng  findet  sich  wiederhol

Kheinpreußen.  Die  Kohlenlager  von  einiger
dehnung  bilden  im  ganzen  in  der  Kegel  \
Mulden  (daher  Kohlen  -Becken  oder  -BassW^
d.  h.  ihre  Grenzränder  schlagen  sich  auf"
nach  der  Oberfläche  zu  und  treten  zuweilen

Tage  aus.  Die  Kohle  kann  also  den  Be
älterer  Zeit  nicht  unbekannt  geblieben
Griechenland  und  Italien  freilich  haben  gar
Kohlenfelder.  Nach  einer  Notiz  soll  in  der
ticher  Gegend  der  Gebrauch  der  Kohle
Schmieden  ums  Jahr  1000  begonnen  haben.
allgemeinen  wurde  die  Kohle  als  ein  nnsau
Gegenstand  betrachtet,  an  den  man  sich
langsam  gewöhnen  mochte.  Es  ist  die®
ganz  erklärlich,  denn  die  oberfläehlich  ersch
Kohlen  sind  in  der  Kegel  die  schlechtesten,  ^
überall  betrieb  man  natürlich  erst  durch
Zeiten  einfache  Kohlengräberei  in  geringer
und  geregelter  bergmännischer  Tiefbau  .  g,
sich  nur  allmählich  einführen;  in  Schlesie
schah  dies  eigentlich  erst  durch  Fricdnc  .g^^s
Großen.  Erst  zu  Anfang  des  14.  Jahrnu
kamen  aus  den  englischen  Gruben  ^®^*J^*'jgdeni
London  nnd  wurden  anfänglich  nur  von  Schm
Brauern,  Seifensiedern  u.  s.  w.  gebrauch

Publikum  wurde  aber
Qualme  (eine  Folge

der  Neuerung
unpassender  F^e...„uch

yuaime  ^emo  r  ojge  uiipaaocimci  -  -  lirah®
anlagen)  so  abhold,  daß  der  König  den  Oe^  pjg
der  Kohle  bei  Strafe  verbieten  mußte.
Kohle  wird  nach  verschiedenen  Beziehung
Arten  oder  Sorten  eingeteilt;  in  technisc  e
sicht  unterscheidet  man  zunäehst  ^®**^ich0i
magere  und  versteht  unter  der  ersteren
welche  in  der  Hitze  viel  flüchtige  Produk  e^jjjg,
In  England  unterscheidet  man  Back^^^^jpg
Splint-  oder  harte  Kohle,
(diese  Bene
Oberfläche)

Splint-  oder  harte  Kohle,  ^-irsc  jgo
(diese  Benennung  wegen  der  schwarzgiai
Oberfläche)  oder  weiche  Kohle,  Kann
            
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