Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

15 — 
die Aufgabe hat, den Namen des Geldes endgültig sicherzustellen, sondern 
Tatbestände, Wesenheiten zu erforschen. Als eine Zurechtweisung der 
Amonnschen willkürlichen Namengebung erscheint Cassels Hinweis, 
4aß in der Geldtheorie bisher „das Geld wesentlich als ein materielles Gut 
aufgefaßt werde‘ und daher ‚das materielle Zahlungsmittel in unrichtiger 
Weise in den Vordergrund gestellt werden mußte‘. Cassel betont im 
Gegensatz hierzu, „daß der Begriff des Geldes nicht durch Eigenschaften 
eines Dinges, sondern durch die wesentlichen Funktionen des Dinges 
bestimmt werden muß‘ und „in Konsequenz dieser Auffassung die Analyse 
direkt auf die wesentlichen Geldfunktionen gerichtet wird: die Zu- 
sammenfassung der Einrichtungen, durch welche 
diese Funktionen erfüllt werden, muß dann als das 
Geldwesen bezeichnet werden. Die Frage, was als mate- 
rielles Geld gelten soll, bekommt dann erst in zweiter Linie 
Interesse. Sie kann dahin beantwortet werden, daß jedes allgemeine 
Zahlungsmittel, das als solches anerkannt wird, 
Geld ist“ (S. 329/330). 
IV. 
Jede wirtschaftliche Verkehrshandlung knüpft sich heute an 
das Geld: Kein Preis ohne Geldrechnung, kein Güterumlauf ohne 
Zahlung (mag diese nun unmittelbar vollzogen oder gestundet 
werden). Undenkbar ist der Marktverkehr ohne das Geld als 
„Umtauschmittel und Rechenpfennig“ (Adolf Weber), undenkbar 
das Ineinandergreifen der miteinander verketteten Einzelwirt- 
schaften ohne dieses gemeinsame Verkehrsmittel. Liegt es da 
nun nicht nahe, im Gelde selbst ein hohes, wo nicht gar das 
höchste Wirtschaftsgut zu sehen? Es den Waren gleichzustellen, 
deren Preis es ausdrückt, und gegen die es umgetauscht wird? 
Ihm sogar die Vorzugsstellung der „Ware aller Waren“ einzu- 
räumen? Zumal das Geld doch bis heute durch allgemeine An- 
schauungen und gesetzliche Regelung mit dem kostbaren Edel- 
metall Gold stofflich verbunden ist. Sicher ist es unter diesen 
Umständen verständlich, wenn noch immer vielen Geldtheoretikern 
und erst recht den Männern der Praxis das Geld als Ware und 
als „gutes“ Geld nur das Gold erscheint, 
Es sei hier nur auf die im Quellenverzeichnis aufgeführten Schriften 
von Budge, Diehl, Gruntzel und Moll verwiesen, sowie 
andererseits auf die namentlich von Bendixen, Dalberg, Elster, 
Hahn, Heyn, Knapp, Liefmann gegen den „Goldwahn‘“ 
gerichteten Angriffe. Einige Stichproben des Gegensatzes zwischen der 
Waren- und der Anweisungstheorie des Geldes wurden bereits oben im 
Einleitungskapitel gegeben (IT). 
Die Auffassung der Metallisten und Warentheoretiker muß 
insoweit bekämpft werden, wie sie das geschichtliche Werden
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.