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nung eingeschlichon, jener Franzose habe sich durch eine be
sondere „Theorie der Absatzwege” ausgezeichnet Wäre bei
demselben wirklich irgend ein erheblicher neuer Satz oder auch
nur eine neue Formulirung einer sonst nicht gleich klar ge
wesenen Einsicht anzutreíFen, so würde dieser Umstand sicher
lich ein Recht gehen, für ihn noch eine andere Rolle als die der
schulmässigen Zustutzung und der gekennzeichneten Art von
Popularisirung in Anspruch zu nehmen. Indessen enthält jene
sogenannte „théorie des débouchés” wesentlich nichts weiter,
als die einfache, schon den Physiokraten geläufige Vorstellung,
dass Producte gegen Producte ausgetauscht werden, und dass
man dieser Vorstellungsart zufolge nur in dem Maasse Absatz
findet, in welchem der Käufer seinerseits mit Erzeugnissen be
zahlen kann. Diese Idee ist noch obenein nichts weniger als
tief; denn ungeachtet eines gewissen Kerns von Wahrheit, der
sich in derselben ausdrücken will, wird ihre Anwendung sofort
fehlerhaft, sobald man die socialen Gestaltungen des Verkehrs
und die Dazwischenkunft des Geldes oder der Werth Veran
schlagung ausser Acht lässt.
Schon auf dem Titel der ersten Ausgabe des Saysehen
Buchs^ïïgurHrdîe später auf den Lehranstalten üblich gewor
dene* Drei theiluug der Oekonomie. Die Formation, Vertheilung
und Consumtion der Reichthümer, — das war die Trias,
deren Angabe in den Schulen sogar als Definition der politi
schen Oekonomie gelten musste. Es ist schon früher bemerkt
worden, dass die Doppelheit des Smithsehen Gesichtspunkts,
welche nur zwei Hauptunterscheidungen, nämlich die der Pro
duction und der Vertheilung als gleichbedeutend ins Auge fasst.
Weit natürlicher und wissenschaftlicher ausgefallen war. Soll
aber künftig einmal eine wirkliche Theorie der Consumtion
entstehen, die mehr als blos einige Redensarten über den Luxus
enthält, so wird sie nicht ein nebensächlicher dritter Bestand-
theil sein dürfen, sondern an die Spitze treten und sich den
beiden thatsächlichen Hauptabtheilungen der bisherigen Volks-
wirthschaftslehre überordnen müssen. Doch so etwas bei Ge
legenheit des Sayschen Buchs bemerken, heisst fast schon zu
viel thun. Ueberdies ist ja noch anzuführen, dass der Fran
zösische Autor nach einem Vierteljahrhundert einen „Voll
ständigen Cursus der praktischen politischen Oekonomie” in
einem halben Dutzend Bänden veröffentlicht und dass er, als